Meine grosse Reise 2019 /3
- Mein persönlicher Jakobsweg, 3'229.68 Km

Gesamtstrecke  644.78 Km

 

Woche 3
Von Namedy / Andernach - Köln - Duisburg - Grietherort /Grieth - Boven-Leeuwen - Nijkerk - Xanten - Dülmen

YouTube:
https://youtu.be/gl3JkXFNR_I

Sa 29. Juni 2019, Namedy
 

08.37 Uhr, Guten Morgen ihr da draussen, dachte ich mir. Hatte gestern einen perfekten Platz ausgesucht. Bin heute Morgen mit der Sonne aufgewacht. Habe gut geschlafen. Bin dann aufgestanden und habe alles zusammen gepackt. Viel gab es ja nicht, da ich das Zelt nicht brauchte.

Dann habe ich mir am Tisch Kaffee und belegte Brötchen gemacht, gefrühstückt. Als ich alles zusammen gepackt hatte, fuhr ich kurz los, hielt nochmals an, schaute wehmütig zurück auf den Platz und dann endgültig los zu fahren. Wieder ein herrlicher Tag. Ich musste bei der nächsten Gelegenheit noch meine Flaschen nachfüllen, hatte aber noch genug zu trinken. Irgendwann kam ich bei der vom 2. Weltkrieg zerstörten Brücke vorbei. Es war die Friedensbrücke von Remagen. Sie hiess früher Ludendorff-Brücke. Ich schaute mir dieses Bauwerk genauer an. Leider war das Museum wegen Sanierung geschlossen. Aber Anzeichen von Sanierung sah ich nicht.

Also fuhr ich weiter und kurz vor Bonn sah ein komisches Schiff. Im ersten Moment erinnerte es mich an die Nautilus. Tatsächlich war es die Moby Dick, gebaut 1976. Weiter staunte ich, als ich den Fahrrad Wegweiser sah und war im ersten Moment verwirrt. Da stand Plittersdorf, 0.4Km. Plittersdorf kannte ich von den beiden Mädels nahe Raststatt. Also konnte es nicht das Plittersdorf sein. Schnell Google Maps und dann war alles klar. Und dann noch diese schöne Baumwurzel. Es gab einiges zu bestaunen.

Mein Ziel war der Campingplatz vor Köln, Camping Berger. Heute wollte ich nicht so viel Km machen. So war ich schon um 15 Uhr da angekommen und meldete mich bei der Rezeption. Ich hatte mich bis anhin nie vor angemeldet und keinerlei Probleme. So auch dieses mal nicht. Ich bekam den Platz zugewiesen, worauf ich dann das Zelt aufstellte, alles abpackte und ins Zelt verstaute. Da es wieder sehr warm war, ging ich an die Baar was trinken, ein kühles Cola Zero, was denn sonst.

Und da ich früh angekommen war, holte ich danach mein Schmutz Kleidersack, kaufte bei der Rezeption, die auch ein kleinen Laden hinten hatten, Wasch Taps und packte meine schmutzige Wäsche in die Waschmaschine. Danach ging ich bei dem Waschgebäude nach oben zum Duschen. Auch hier wurde ich auf keiner Weise komisch angesehen, als ich in die Damendusche ging. Die Duschkabinen, WCs waren gepflegt und sauber, wie bis anhin.

Und wie üblich machte ich mich dann auf meinem zusammen klappbaren Campingstuhl breit, zog mein Campingtisch zu mir, stellte das Netbook auf und machte meine Bilder Datensicherung und Tagebuch Einträge. Ich liebte diese beiden Teile.

Später ging ich noch meine gewaschen Kleider hohlen und hängte sie an die Leine hinter meinem Zelt auf, zwischen 2 Pfosten. Dann wie immer was essen kochen und den Abend ausklingen lassen. Morgen freue ich mich auf Köln und Kölner Dom.

S0 30. Juni 2019
 

Wie jeden Morgen, aufwachen, aufstehen, alles zusammen packen und meine getrockneten Kleider zusammenlegen und verstauen. Dann nach vorne gehen, um den Platz an der Rezeption zu bezahlen. Ausserdem deckte ich mich noch etwas mit Lebensmittel und mein Frühstück in dem kleinen Laden ein. Ich verabschiedete mich und wurde freundlich verabschiedet.

Danach fuhr ich dem schönen Rhein entlang Richtung Köln. Weit war es ja nicht mehr. Von weitem sah man schon den Kölner Dom und die 3 bekannten Krahnhäuser. Ich dachte immer, wenn ich die sah, wie sie das gemacht haben, so freischwebend, bis ich dann eben nun an ihnen vorbei fuhr und sah, dass es noch einen gläsernen Lift hatte, der wohl die Häuser stützte. Die habe ich nie wahrgenommen. Es war faszinierend, an denen vorbei zu fahren. In mir machte sich gerade Freiheit breit. Ich fühlte mich nun da, wo ich immer wollte sein, hier und unterwegs.

 Kurz vor der Stadt Köln nahm ich im Sonnenschein am Rhein mein Frühstück ein. Schokodrink und belegte Brötchen. Dann fuhr ich weiter, dem Kölner Dom entgegen. In der Stadt musste ich noch aufpassen, immer wieder waren zerschlagene Glasflaschen am Boden. Dann bog ich ab zum Dom und es war beeindruckend, wie gross er war. Ich war vor ein paar Jahren schon mal da, aber nun war es was anderes. Gerne wäre ich rein gegangen, aber da ich alleine war und überall Bettler/innen waren, wollte ich das Risiko nicht eingehen.

Es beschämte mich etwas, wenn ich all die Bettler/innen sah und ich mir so eine Reise leisten konnte. Eigentlich sehr traurig. Ich hatte ja schon wenig Geld und war mit wenigem zufrieden, aber die … Echt traurig. So verliess ich den Domplatz mit gemischten Gefühlen. Ausserhalb sah ich einen Bettler, der kaum gehen konnte, dem gab ich 5 €. Gerne hätte ich jedem Bettler/in was gegeben.

Die Brücke mit den vielen Schlösser beeindruckte mich. Das muss ja ein extremes Gewicht zusätzlich haben, diese viele Schlösser. Aber darüber machte ich mir kaum Gedanken.

Als ich in Düsseldorf ankam, dachte ich mir so nebenbei, es wäre schon toll, wenn man so die Musiker in deren Stadt treffen könnte, Söhne Mannheims, die Toten Hosen Düsseldorf, Herbert Grönemeyer in Bochum usw. Was für ein schöner Gedanke. In Düsseldorf faszinierten mich die aussergewöhnlichen Häuser. Und kurz nach Düsseldorf kam mal ein Brunnen mit Quellwasser oder so. Ich musste Schmunzeln. Da standen sicher 10 Fahrradfahrer und warteten, bis sie daran waren, Wasser nachzufüllen. Auch ich nutzte die Gelegenheit.

Es wurde immer Später und ich kam in Duisburg an. Ich empfand Duisburg als interessante, aber auch schmutzige Stadt. Dazu muss ich noch sagen, ich fuhr durch Industriegebiet. Langsam musste ich mir Gedanken machen, wo ich übernachten sollte. Also schaute ich im Handy nach und da fand ich etwas ausserhalt im Wald so was wie Camping…

Also nichts wie dahin. Es waren knapp 10km und ich fuhr an einer langen Wiese entlang. Die war voll mit Menschen, Türken oder so. Die hatten ein Fest, schön anzusehen. Leider war ich Müde und so fuhr ich nur an ihnen vorbei. Im Wald endlich angekommen, entpuppte sich das als Privatanlage. Oh man, was erzählt mir Google einen Mist. Ich ärgerte mich, nützt nichts, muss zurück. Dann nochmals nachsehen und ich fand Richtung Oberhausen, einen Campingplatz, machte aber um 8 Uhr zu. Könnte ich schaffen. Also mit Speed zurück die 10Km und nochmals hoffentlich 15Km zu schaffen.

Aber nach ca. 12 Km war ich völlig geschafft. Also suchte ich nach einem geeigneten Platz zum Übernachten, bis ich wieder in Duisburg landete. Es dunkelte schon ein und ich schlief schon fast beim fahren ein. Als ich diese Bank mit Tisch sah, war für mich klar, hier ist Feierabend. Also machte ich es mir gemütlich, schloss 2-mal mein Fahrrad mit Anhänger ab und machte den Regenüberwurf fürs Fahrrad darüber. Dies hat nicht nur den Sinn, mein Fahrrad vor Regen zu schützen, sondern sollte sich jemand an meinem Fahrrad zu schaffen machen, erwache ich vom rascheln des Plastiks. Quasi 3-mal gesichert.

Nach dem ich gegessen hatte, kam noch ein Mann vorbei, der in Duisburg wohnt und meinte, hier sei eine sichere Gegend, was mich ungemein beruhigte. Wir quatschten noch etwas, dann ging er und ich schlüpfte in meinen Schlafsack. Kurz danach fing ein Hund die ganze Zeit zu bellen an. Trotzdem schlief ich ein. In der Nacht erwachte ich noch 2-3 Mal weil der Hund immer noch die ganze Zeit bellte. Das machte mir Sorgen um den Hund. Trotzdem schlief ich wieder ein.

Mo 01. Juli 2019
 

Bin heute um ca. 5.30 Uhr aufgestanden. Die Nacht war unruhig. Auf der Bank war es bequem soweit man das von einer Sitzbank erwarten kann. Es war mehr der Hund der immer wieder die ganze Nacht gebellt hatte. Und scheinbar kümmert es niemanden von den Nachbarn. Ich hätte gerne geholfen, aber zu dem Zeitpunkt wusste ich nicht wie. Als ich ans Haus heran trat, um vielleicht was zu sehen, machte sich eine Nachbarin oben auf der Terrasse, die gerade ein Kaffeetasse in der Hand hielt mehr sorgen darum, ich könnte ans Haus pinkeln als um den Hund. Das löste bei mir nur Unverständnis aus.

Also packte ich den Rest zusammen und fuhr dem Rhein entlang aus Duisburg heraus. Wobei mit herausfahren gemeint ist, dass ich ein bisschen hin und her fuhr, bis ich raus kam. Gestern empfand ich Duisburg als Schmutzig und überall lag Müll rum. Doch muss auch zugeben, ich fuhr durchs Industrie Gebiet und sehe heute das etwas distanzierter.  Ich fuhr durch Duisburg hindurch und es gab einen wunderschönen Sonnenaufgang. War trotzdem Froh, aus Duisburg raus zu kommen.

Nach Duisburg fuhr ich viel am Rhein nebenan, genoss das Wetter und die Schiffart auf dem Rhein. Aber hatte den ganzen Tag mehr oder weniger starken Gegenwind, was das Treten nicht gerade einfacher machte. Manchmal überholten mich E-Bikes und ich dachte scherzhaft, ja mit Hilfsmotor ist das keine Kunst. Ich brauchte für 20 Km etwa 2 Stunden. Aber wie sag ich es so schön, mein Weg ist mein Ziel.

Zwischendurch kaufte ich bei einem Kioskladen Getränke ein und was zu essen, gab meine gesammelten Pfandflaschen ab und konnte so etwas Geld sparen. Draussen sass ich hin und genoss das belegte Brötchen. Ein wenig bewölkt war es, aber das war mir bei dem heissen Wetter nur recht. Und weiter ging es mit Gegenwind. Hatte heute etwa 70% Gegenwind.

War froh, als ich auf dem Campingplatz Grietherort bei Grieth erreichte. Da angekommen, musste ich erst mal schauen, wo der Besitzer ist. Irgendwie empfand ich den Campingplatz, wie soll ich sagen, als ausgestorben. Dann war da doch noch eine verlorene Seele, die mir sagte, dass der Besitzer unten am Rasen  mähen ist. Also ging ich da hin und siehe da, da war ein Dünner Mann, der mir etwas verloren vorkam. Er begrüsste mich nett und wir gingen hoch zum Empfang. Da begrüsste mich auch ein Hund, war nicht mehr der Jüngste. Ich bezahlte ich für die Nacht. Er bot mir noch an, wenn ich wolle, könne er was kochen. Nett teilte ich ihm mit, dass ich mein Essen dabei hatte. Es kam mir so vor, als wäre seine Frau gestorben und danach die Zeit stehen geblieben.

Sofort öffnete er noch die Türen zu dem Duschbereich, weil er sie mit Mückenmittel behandelt hatte. Ich ging zu meinem Platz, den ich mir aussuchen konnte. Beim hingehen fiel mir auf, wie verlassen der Platz war und viele Campingwagen herunter gekommen waren. Obschon die Sonne noch scheint, kam mir der Platz düster vor.

Nachdem ich das Zelt aufgebaut hatte, ging ich hoch zu den Duschen. Alles war etwas herunter gekommen. Der Mann begegnete mir nochmals. Er kam mir etwas einsam vor.

 

Naja und die Behandlung der Mücken war nicht gerade mit Erfolg gekrönt. An der Decke hatte es noch einige Insekten. Doch die störten mich nicht. Auch die Sanitären Anlagen und Waschmaschine usw. waren nicht mehr gerade, nett ausgedrückt, auf den neusten Stand. Trotzdem tat die Dusche gut.

Es kam dann noch ein Holländisches Paar mit Räder und Zelt vorbei, die mir sagten, dass leider der Damm in Holland für Fahrräder zurzeit gesperrt ist, wegen Sanierungsarbeiten. Schade. Zu einem weiteren Gespräch kam es mit ihnen nicht, was aber auch ok war. So liess ich noch den Tag, der insgesamt schön war, ausklingen.

Di 02. Juli 2019
 

Irgendwie war ich heute Morgen nicht unglücklich, den Campingplatz verlassen zu können. Er wirkte schwermütig, einsam, obwohl viele Campingwagen und einige Zelte da standen. Also wie immer, frühstücken, zusammen packen und los geht’s. Der Besitzer hatte ich nicht gesehen, beim wegfahren. Es war auch so still.

Als ich zum Rhein runter fuhr, war da noch ein Restaurant. Doch das war geschlossen. Am Rhein unten gab es zurzeit keine Fähre. Also wieder zurück hochfahren und zur Hauptstrasse, wo es auch ein Fahrradweg gab. Dieser führte manchmal über ländliches Gebiet, was ich sehr schön fand.

Ich folgte, so gut es ging, dem Rhein. Die Beschilderung war manchmal dürftig und so verlor ich immer wieder mal den Weg. Das Navi war mehr für die Routenaufzeichnung  geeignet, als zum Navigieren. Vielleicht bin ich auch einfach zu doof.

Dann am Mittag kam ich an der holländischen Grenze an. Kam wie so oft mit einem Mann ins Gespräch, der gerade von Holland kam. Er lebte in Holland. Danach passierte ich die Pforte des Zauns und jupi, ich war in Holland. Ein paar Meter weiter vorne kam ein Kran, wo ich eine Pause einlegte. Da es ein paar Wolken am Himmel hatte, war die Temperatur angenehm. Dann meinte jemand aus meiner WhatsApp Gruppe:  „OK – und ab jetzt wird holländisch geschrieben“
Darauf erwiderte ich:  „Instellen met een boot over de Rijn“

Die Radwege waren wunderschön zu fahren. Kaum Schlaglöcher usw. Einzig was mich mit der Zeit nervte in Holland, dass ausserhalb von den Dörfern / Städten Motorroller auch auf den Radwegen fahren durften. Manchmal kamen die von hinten angeschlossen und hupten. Aber wenn du denkst, die bremsen ab, na sicher nicht. Und Helm tragen bei den Rollerfahrer, fehl am Platz. Je weiter ich auf dem Land fuhr, desto weniger wurde es mit den Rollern, was ich gar nichts dagegen hatte.

Als ich gegen 4 Uhr Nachmittags auf dem Campingplatz Den Hoogen Berg bei Boven-Leeuwen ankam, wurde ich nett empfangen. Der Besitzer mit seine Familie begrüsste mich nett, konnte etwas Deutsch und ich etwas Englisch. So konnten wir uns gut unterhalten. Gleich neben dem Empfang war ein Hühnergehege, davor ein Sitzplatz und dann noch ein kleine Wiese für die Zelte. Sehr familiär. Das gefiel mir sehr.

Der Hammer war der Toiletten/Duschwagen. Echt wunderschön lieblich her gerichtet. So was hatte ich noch nie gesehen. Alles gepflegt. Ich bestellte noch Brötchen für Morgen. Es waren noch 2 weitere holländische Paare anwesend. Schnell kamen wir ins Gespräch, von meiner Seite, so gut es ging auf Englisch. Nachdem wir die Zelte aufgebaut hatten, hatten wir einen tollen Abend, assen zusammen und schwatzten. Sie haben mich zum Essen eingeladen, so lieb von denen.

Nach dem Essen setzte ich mich noch in meinem Stuhl und machte meine Datensicherung und schrieb mein Tagebuch. Dann zog ich mich in mein Zelt zurück, las noch etwas und bald danach war Feierabend. Zelt schliessen und im Schlafsack kuscheln, einschlafen.

Mi 03. Juli 2019
 

Bin heute gut aufgestanden und habe mit den anderen gefrühstückt. Danach wie immer alles zusammen gepackt und mich verabschiedet. Der Tag war wie fast immer herrlich. Hier in Holland ist der Rhein, oder wie auch immer er genannt wird, etwas unübersichtlich, da er sich mehrfach teilt. So fuhr ich Richtung Utrecht.

Utrecht war eine interessante und schöne Stadt, auch wenn ich nur ein kleiner Teil gesehen habe. Ich wollte noch am Bahnhof nachschauen, ob schon wieder Geld auf dem Konto war. Dafür musste ich über den Bahnhof mittels Rolltreppe. Ich zog die Aufmerksamkeit auf mich, als ich mit meinem Fahrrad mit Anhänger auf die Rolltreppe ging. Oben angekommen, gleich mal zum Geldautomat. Nein das Geld kommt wohl erst morgen. Habe ja noch welches. Also auf der anderen Seite wieder die Rolltreppe nach unten.

Nach Utrecht nervten mich wieder etwas die Roller. War froh, wenn ich aufs Land komme. Dann verlor ich den Überblick und langsam machte sich mein rechtes Knie bemerkbar. Doch zum fahren ging es und zwischendurch machte ich auch mal rast.

Ich fand die Windmühlen so schön. Dann sah ich diesen wunderschönen, pinken LKW mit Anhänger. Ich bestaunte ihn, als gleich die Besitzerin mit ihrem Hund kam. Wir unterhielten uns und so erfuhr ich, dass sie 2018 mit dem schönen Gefährt bis nach Tschechei gefahren ist und zurück. Sie hat ihn selbst ausgebaut. Echt schön.

Gegen 16 Uhr überlegte ich mir, etwas einkaufen und frei campieren oder mit dem Geld, was ich noch hatte, auf den Campingplatz. Wieder mal sagte meine innere Stimme, Campingplatz. Nee, frei campieren ist besser am Strand und dafür was kaufen. Dumme Idee war das…

Als ich Hilversum verlassen hatte, nachdem ich Lebensmittel eingekauft hatte, kam ich ans Gooimeer/Eemmeer an und wollte da am Stand übernachten. Da musste ich erfahren erfahren, dass das in Holland verboten ist und man dafür fest genommen werden kann. Wie bescheuert ist dass denn. Nun was tun, Geld hatte ich bis Morgen keines mehr. Also fällt Campingplatz aus. Ausserdem ist in der Nähe kein Campingplatz. Ich war gerade überfordert, mein Knie fing immer mehr an zu schmerzen. Ich hätte mich besser vorbereiten sollen. Also entschloss ich mich zurück nach Deutschland zu machen.

Bein Nijkerk hatte ich so starke Schmerzein im Knie, dass ich teilweise nur noch mit dem linken Fuss treten konnte und am Schluss nur noch abstützen auf das Rad zu Fuss gehen konnte. Ein Rennfahrer fragte, ob alles ok ist. Naja, aber danke trotzdem. War nett. Also suchte ich etwas, wo ich mich verstecken konnte, zum Übernachten. Mittlerweile wurde es schon dunkel und ich fand nichts Geeignetes. Am Schluss, wo ich nicht mehr konnte, kam ich an einem Bauernhof vorbei. Danach eine einfährt auf eine grosse Wiese. Da standen links und rechts eingepackt in Folie Heuballen. Daneben war ein Haus mit grosser Hecke. Na die sehen mich ja nicht, wenn ich leise bin. Ich ging noch ums Eck der Hecke, das stand ein Zelt. Egal, ich schlafe zwischen den Heuballen.

Also machte ich es mir so gut es ging gemütlich, um am nächsten Morgen so früh wie möglich weg zu kommen. Während ich da so lag, eingepackt, mit möglichst wenig Geräusch zu verursachen, hörte ich neben An Leute, die auch in einem Zelt schliefen. Wohl die Familie. Egal, Hauptsache ausruhen. Rieb noch mein Knie mit Voltaren ein und hoffte, es würde besser werden. Irgendwann schlief ich erschöpft ein…

Do 04. Juli 2019
 

Bin heute Morgen um 6 Uhr aufgestanden. Aussen war der Schlafsack von der Luftfeuchtigkeit der Nacht nass. Ich hatte schlecht geschlafen. Es war recht kalt geworden in der Nacht. Leise packte ich meine Sachen zusammen zwischen den Heuballen, um nicht gehört zu werden. Beim Nachbarhaus hinterm Zaun hörte ich die Leute im Zelt schlafen. Ich war leicht durchfroren.

Als ich fertig war, schlich ich mich raus auf die Strasse, wo ich mich wieder normal bewegen konnte. Als ich am Haus vorbei kam, schaute ich in den Garten rein. Da waren mehrere Zelte vorhanden. Eine Tafel deutete auf Englisch, Deutsch und Französisch hin, dass man hier übernachten konnte, ohne bezahlen zu müssen. Ich fasste mir so was von an den Kopf. Wäre ich gestern ein paar Meter weiter gehumpelt, hätte ich nicht dieses Versteckspie betreiben müssen. Ich ärgerte mich über mich.

Mein rechtes Knie schmerzte nur noch wenig. Als ich auf das Fahrrad stieg und los fuhr, tat es etwas mehr weh. Also trat ich vor allem mit dem linken Knie in die Pedale und das rechte Bein war nur für die Unterstützung da. Es war immer noch leicht entzündet.

Während der Fahrt am diesem morgen früh fror ich an die Hände. Es war richtig Frisch. Ja, lange Fahrrad-Handschuhe, das wär’s jetzt gewesen. Doch diese habe ich vor der Reise aus sortiert, da es ja Sommer ist. Während des Tages wurde es immer wärmer. Aber als erstes suchte ich einen Geldautomaten auf, den ich auch gegen Mittag fand und Geld raus holte. Ich hatte noch nichts gegessen und wenig getrunken. Das war nicht so schlimm, denn heiss war es nicht.

Danach ging ich einkaufen und ich mampfte ein leckeres Sandwich und Schokodrink. Um ca 15 Uhr erreichte ich die Grenze zu Deutschland. Ich küsste fast den Boden, so froh war ich. Ja man sollte sich in Zukunft besser auf ein Land Vorbereiten. Für mich war es aber klar, Holland werde ich nochmals irgendwann in den Angriff nehmen.

Das Knie machte recht gut mit, so dass es nur wenige Probleme gab. Dennoch war ich froh, als ich am Abend den Campingplatz Niederrhein in Kleve erreichte. Der Empfang war sehr nett. Aber irgendwie war er etwas düster. Ob es am Wetter lag… keine Ahnung. Als ich den Platz bezog, war es mir zu ruhig. Kaum Aktivitäten. Das Waschhaus war aber sauber.

Nach dem Zeltaufbau kam ich mit dem Nachbar und mit Holländer etwas ins Gespräch. Doch Stimmung wollte nicht wirklich aufkommen. Ich ging duschen, rieb mein Knie mit Voltaren ein und kochte danach was. Dieser Tag war eine Herausforderung, was das Knie anging, dennoch war es insgesamt ein schöner Tag, den ich dennoch geniessen konnte. Ich plante noch etwas für den nächsten Tag, machte mein Tagebuch Eintrag und dann war auch bald schon Feierabend. Ich schlief gut ein, da ich noch von der letzten Nacht übermüdet war.

Fr 05. Juli 2019
 

Habe diese Nacht gut und ausgiebig geschlafen. Beim Zusammen packen sind mir einige Dinge durch den Kopf gegangen. Es gibt Campingplätze, die sind wie ausgestorben.  Momentan sehe ich keine Menschenseele, obschon es 8.30 Morgens ist. Das holländische Paar und der Mann, die auch gezeltet haben, sind schon weg. Es ist eine traurige oder schwere Stimmung. In diesem Moment merke ich, dass mir Geborgenheit, Zweisamkeit fehlt. Fühl mich dann etwas verloren. Denke oft an Miriam, die beiden Tage waren einfach schön gewesen. Diese Zeit vermisse ich etwas.

Als ich zusammen gepackt hatte, bin ich los gefahren. Der Tag wurde wieder sehr schön, viel Sonnenschein. Es gab immer wieder etwas zu entdecken. Dennoch machte heute wieder mal meinen Hintern nicht so richtig mit.

In meiner WhatsApp Gruppe hab ich hin und her geschrieben, unter anderem:

Pflegeeltern:
Wir sind begeistert deiner Tour! Liebe Grüsse sitzend auf bequemen Stühlen über dem Bodensee.

Ich:
Ich sitze jeweils bequem auf dem Sattel… am Morgen. Gegen Abend stehe ich bequem auf den Pedalen. Hab bis anhin etwas mehr als 1300 Km gemacht.

Eltern:
Wau sehr gut

Ich:
Sag das mal meinem Hintern, der Wille ist gross, mein Arsch ist nicht willigt, schwach oder platt am Abend.

Am Nachmittag kam ich an einem Ort vorbei, den es auch bei uns in der Schweiz gibt, Heiden. Meine Pflegeeltern schrieben, sie kamen auch mal an einem Ort vorbei, der hiess Trogen, wie im Appenzellerland CH. Das lockt ein Lächeln in mir hervor. Ja so ist man irgendwie mit der Schweiz oder umgekehrt verbunden. Auch die Fahrt war echt gut. Ich kam heute gut voran, hatte meist Rückenwind. Trotzdem erreichte ich nicht Münster, wie gehofft. Aber ist auch nicht schlimm, hab den Tag genossen und dadurch immer wieder Pausen gemacht und wieder 2 mal ein wenig verfahren hatte.

Am Abend kam ich dann auf dem Campingplatz bei Dülmen an. Ja der gefiel mir schon viel besser. Hier war leben, das brauche ich und tun mir gut. Die Einfahrt zum Campingplatz war aber sehr gewöhnungsbedürftig. Schlaglöcher ohne Ende, kaputte Strasse usw. und ging etwas hoch. Kaum zu fahren mit dem Fahrrad. So schob ich das Fahrrad bis zum Eingang. Ab da war wieder alles bestens.  Den Abend lies ich ruhig ausklingen.

© by Bike Traveling