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Meine grosse Reise 2019 /3
- Mein persönlicher Jakobsweg, 3'229.68 Km

Gesamtstrecke  644.78 Km

 

Woche 3
Von Namedy / Andernach - Köln - Duisburg - Grietherort /Grieth - Boven-Leeuwen - Nijkerk - Xanten - Dülmen

YouTube:
https://youtu.be/gl3JkXFNR_I

Sa 29. Juni 2019, Namedy
 

08.37 Uhr, Guten Morgen ihr da draussen, dachte ich mir. Hatte gestern einen perfekten Platz ausgesucht. Bin heute Morgen mit der Sonne aufgewacht. Habe gut geschlafen. Bin dann aufgestanden und habe alles zusammen gepackt. Viel gab es ja nicht, da ich das Zelt nicht brauchte.

Dann habe ich mir am Tisch Kaffee und belegte Brötchen gemacht, gefrühstückt. Als ich alles zusammen gepackt hatte, fuhr ich kurz los, hielt nochmals an, schaute wehmütig zurück auf den Platz und dann endgültig los zu fahren. Wieder ein herrlicher Tag. Ich musste bei der nächsten Gelegenheit noch meine Flaschen nachfüllen, hatte aber noch genug zu trinken. Irgendwann kam ich bei der vom 2. Weltkrieg zerstörten Brücke vorbei. Es war die Friedensbrücke von Remagen. Sie hiess früher Ludendorff-Brücke. Ich schaute mir dieses Bauwerk genauer an. Leider war das Museum wegen Sanierung geschlossen. Aber Anzeichen von Sanierung sah ich nicht.

Also fuhr ich weiter und kurz vor Bonn sah ein komisches Schiff. Im ersten Moment erinnerte es mich an die Nautilus. Tatsächlich war es die Moby Dick, gebaut 1976. Weiter staunte ich, als ich den Fahrrad Wegweiser sah und war im ersten Moment verwirrt. Da stand Plittersdorf, 0.4Km. Plittersdorf kannte ich von den beiden Mädels nahe Raststatt. Also konnte es nicht das Plittersdorf sein. Schnell Google Maps und dann war alles klar. Und dann noch diese schöne Baumwurzel. Es gab einiges zu bestaunen.

Mein Ziel war der Campingplatz vor Köln, Camping Berger. Heute wollte ich nicht so viel Km machen. So war ich schon um 15 Uhr da angekommen und meldete mich bei der Rezeption. Ich hatte mich bis anhin nie vor angemeldet und keinerlei Probleme. So auch dieses mal nicht. Ich bekam den Platz zugewiesen, worauf ich dann das Zelt aufstellte, alles abpackte und ins Zelt verstaute. Da es wieder sehr warm war, ging ich an die Baar was trinken, ein kühles Cola Zero, was denn sonst.

Und da ich früh angekommen war, holte ich danach mein Schmutz Kleidersack, kaufte bei der Rezeption, die auch ein kleinen Laden hinten hatten, Wasch Taps und packte meine schmutzige Wäsche in die Waschmaschine. Danach ging ich bei dem Waschgebäude nach oben zum Duschen. Auch hier wurde ich auf keiner Weise komisch angesehen, als ich in die Damendusche ging. Die Duschkabinen, WCs waren gepflegt und sauber, wie bis anhin.

Und wie üblich machte ich mich dann auf meinem zusammen klappbaren Campingstuhl breit, zog mein Campingtisch zu mir, stellte das Netbook auf und machte meine Bilder Datensicherung und Tagebuch Einträge. Ich liebte diese beiden Teile.

Später ging ich noch meine gewaschen Kleider hohlen und hängte sie an die Leine hinter meinem Zelt auf, zwischen 2 Pfosten. Dann wie immer was essen kochen und den Abend ausklingen lassen. Morgen freue ich mich auf Köln und Kölner Dom.

S0 30. Juni 2019
 

Wie jeden Morgen, aufwachen, aufstehen, alles zusammen packen und meine getrockneten Kleider zusammenlegen und verstauen. Dann nach vorne gehen, um den Platz an der Rezeption zu bezahlen. Ausserdem deckte ich mich noch etwas mit Lebensmittel und mein Frühstück in dem kleinen Laden ein. Ich verabschiedete mich und wurde freundlich verabschiedet.

Danach fuhr ich dem schönen Rhein entlang Richtung Köln. Weit war es ja nicht mehr. Von weitem sah man schon den Kölner Dom und die 3 bekannten Krahnhäuser. Ich dachte immer, wenn ich die sah, wie sie das gemacht haben, so freischwebend, bis ich dann eben nun an ihnen vorbei fuhr und sah, dass es noch einen gläsernen Lift hatte, der wohl die Häuser stützte. Die habe ich nie wahrgenommen. Es war faszinierend, an denen vorbei zu fahren. In mir machte sich gerade Freiheit breit. Ich fühlte mich nun da, wo ich immer wollte sein, hier und unterwegs.

 Kurz vor der Stadt Köln nahm ich im Sonnenschein am Rhein mein Frühstück ein. Schokodrink und belegte Brötchen. Dann fuhr ich weiter, dem Kölner Dom entgegen. In der Stadt musste ich noch aufpassen, immer wieder waren zerschlagene Glasflaschen am Boden. Dann bog ich ab zum Dom und es war beeindruckend, wie gross er war. Ich war vor ein paar Jahren schon mal da, aber nun war es was anderes. Gerne wäre ich rein gegangen, aber da ich alleine war und überall Bettler/innen waren, wollte ich das Risiko nicht eingehen.

Es beschämte mich etwas, wenn ich all die Bettler/innen sah und ich mir so eine Reise leisten konnte. Eigentlich sehr traurig. Ich hatte ja schon wenig Geld und war mit wenigem zufrieden, aber die … Echt traurig. So verliess ich den Domplatz mit gemischten Gefühlen. Ausserhalb sah ich einen Bettler, der kaum gehen konnte, dem gab ich 5 €. Gerne hätte ich jedem Bettler/in was gegeben.

Die Brücke mit den vielen Schlösser beeindruckte mich. Das muss ja ein extremes Gewicht zusätzlich haben, diese viele Schlösser. Aber darüber machte ich mir kaum Gedanken.

Als ich in Düsseldorf ankam, dachte ich mir so nebenbei, es wäre schon toll, wenn man so die Musiker in deren Stadt treffen könnte, Söhne Mannheims, die Toten Hosen Düsseldorf, Herbert Grönemeyer in Bochum usw. Was für ein schöner Gedanke. In Düsseldorf faszinierten mich die aussergewöhnlichen Häuser. Und kurz nach Düsseldorf kam mal ein Brunnen mit Quellwasser oder so. Ich musste Schmunzeln. Da standen sicher 10 Fahrradfahrer und warteten, bis sie daran waren, Wasser nachzufüllen. Auch ich nutzte die Gelegenheit.

Es wurde immer Später und ich kam in Duisburg an. Ich empfand Duisburg als interessante, aber auch schmutzige Stadt. Dazu muss ich noch sagen, ich fuhr durch Industriegebiet. Langsam musste ich mir Gedanken machen, wo ich übernachten sollte. Also schaute ich im Handy nach und da fand ich etwas ausserhalt im Wald so was wie Camping…

Also nichts wie dahin. Es waren knapp 10km und ich fuhr an einer langen Wiese entlang. Die war voll mit Menschen, Türken oder so. Die hatten ein Fest, schön anzusehen. Leider war ich Müde und so fuhr ich nur an ihnen vorbei. Im Wald endlich angekommen, entpuppte sich das als Privatanlage. Oh man, was erzählt mir Google einen Mist. Ich ärgerte mich, nützt nichts, muss zurück. Dann nochmals nachsehen und ich fand Richtung Oberhausen, einen Campingplatz, machte aber um 8 Uhr zu. Könnte ich schaffen. Also mit Speed zurück die 10Km und nochmals hoffentlich 15Km zu schaffen.

Aber nach ca. 12 Km war ich völlig geschafft. Also suchte ich nach einem geeigneten Platz zum Übernachten, bis ich wieder in Duisburg landete. Es dunkelte schon ein und ich schlief schon fast beim fahren ein. Als ich diese Bank mit Tisch sah, war für mich klar, hier ist Feierabend. Also machte ich es mir gemütlich, schloss 2-mal mein Fahrrad mit Anhänger ab und machte den Regenüberwurf fürs Fahrrad darüber. Dies hat nicht nur den Sinn, mein Fahrrad vor Regen zu schützen, sondern sollte sich jemand an meinem Fahrrad zu schaffen machen, erwache ich vom rascheln des Plastiks. Quasi 3-mal gesichert.

Nach dem ich gegessen hatte, kam noch ein Mann vorbei, der in Duisburg wohnt und meinte, hier sei eine sichere Gegend, was mich ungemein beruhigte. Wir quatschten noch etwas, dann ging er und ich schlüpfte in meinen Schlafsack. Kurz danach fing ein Hund die ganze Zeit zu bellen an. Trotzdem schlief ich ein. In der Nacht erwachte ich noch 2-3 Mal weil der Hund immer noch die ganze Zeit bellte. Das machte mir Sorgen um den Hund. Trotzdem schlief ich wieder ein.

Mo 01. Juli 2019
 

Bin heute um ca. 5.30 Uhr aufgestanden. Die Nacht war unruhig. Auf der Bank war es bequem soweit man das von einer Sitzbank erwarten kann. Es war mehr der Hund der immer wieder die ganze Nacht gebellt hatte. Und scheinbar kümmert es niemanden von den Nachbarn. Ich hätte gerne geholfen, aber zu dem Zeitpunkt wusste ich nicht wie. Als ich ans Haus heran trat, um vielleicht was zu sehen, machte sich eine Nachbarin oben auf der Terrasse, die gerade ein Kaffeetasse in der Hand hielt mehr sorgen darum, ich könnte ans Haus pinkeln als um den Hund. Das löste bei mir nur Unverständnis aus.

Also packte ich den Rest zusammen und fuhr dem Rhein entlang aus Duisburg heraus. Wobei mit herausfahren gemeint ist, dass ich ein bisschen hin und her fuhr, bis ich raus kam. Gestern empfand ich Duisburg als Schmutzig und überall lag Müll rum. Doch muss auch zugeben, ich fuhr durchs Industrie Gebiet und sehe heute das etwas distanzierter.  Ich fuhr durch Duisburg hindurch und es gab einen wunderschönen Sonnenaufgang. War trotzdem Froh, aus Duisburg raus zu kommen.

Nach Duisburg fuhr ich viel am Rhein nebenan, genoss das Wetter und die Schiffart auf dem Rhein. Aber hatte den ganzen Tag mehr oder weniger starken Gegenwind, was das Treten nicht gerade einfacher machte. Manchmal überholten mich E-Bikes und ich dachte scherzhaft, ja mit Hilfsmotor ist das keine Kunst. Ich brauchte für 20 Km etwa 2 Stunden. Aber wie sag ich es so schön, mein Weg ist mein Ziel.

Zwischendurch kaufte ich bei einem Kioskladen Getränke ein und was zu essen, gab meine gesammelten Pfandflaschen ab und konnte so etwas Geld sparen. Draussen sass ich hin und genoss das belegte Brötchen. Ein wenig bewölkt war es, aber das war mir bei dem heissen Wetter nur recht. Und weiter ging es mit Gegenwind. Hatte heute etwa 70% Gegenwind.

War froh, als ich auf dem Campingplatz Grietherort bei Grieth erreichte. Da angekommen, musste ich erst mal schauen, wo der Besitzer ist. Irgendwie empfand ich den Campingplatz, wie soll ich sagen, als ausgestorben. Dann war da doch noch eine verlorene Seele, die mir sagte, dass der Besitzer unten am Rasen  mähen ist. Also ging ich da hin und siehe da, da war ein Dünner Mann, der mir etwas verloren vorkam. Er begrüsste mich nett und wir gingen hoch zum Empfang. Da begrüsste mich auch ein Hund, war nicht mehr der Jüngste. Ich bezahlte ich für die Nacht. Er bot mir noch an, wenn ich wolle, könne er was kochen. Nett teilte ich ihm mit, dass ich mein Essen dabei hatte. Es kam mir so vor, als wäre seine Frau gestorben und danach die Zeit stehen geblieben.

Sofort öffnete er noch die Türen zu dem Duschbereich, weil er sie mit Mückenmittel behandelt hatte. Ich ging zu meinem Platz, den ich mir aussuchen konnte. Beim hingehen fiel mir auf, wie verlassen der Platz war und viele Campingwagen herunter gekommen waren. Obschon die Sonne noch scheint, kam mir der Platz düster vor.

Nachdem ich das Zelt aufgebaut hatte, ging ich hoch zu den Duschen. Alles war etwas herunter gekommen. Der Mann begegnete mir nochmals. Er kam mir etwas einsam vor.

 

Naja und die Behandlung der Mücken war nicht gerade mit Erfolg gekrönt. An der Decke hatte es noch einige Insekten. Doch die störten mich nicht. Auch die Sanitären Anlagen und Waschmaschine usw. waren nicht mehr gerade, nett ausgedrückt, auf den neusten Stand. Trotzdem tat die Dusche gut.

Es kam dann noch ein Holländisches Paar mit Räder und Zelt vorbei, die mir sagten, dass leider der Damm in Holland für Fahrräder zurzeit gesperrt ist, wegen Sanierungsarbeiten. Schade. Zu einem weiteren Gespräch kam es mit ihnen nicht, was aber auch ok war. So liess ich noch den Tag, der insgesamt schön war, ausklingen.

Di 02. Juli 2019
 

Irgendwie war ich heute Morgen nicht unglücklich, den Campingplatz verlassen zu können. Er wirkte schwermütig, einsam, obwohl viele Campingwagen und einige Zelte da standen. Also wie immer, frühstücken, zusammen packen und los geht’s. Der Besitzer hatte ich nicht gesehen, beim wegfahren. Es war auch so still.

Als ich zum Rhein runter fuhr, war da noch ein Restaurant. Doch das war geschlossen. Am Rhein unten gab es zurzeit keine Fähre. Also wieder zurück hochfahren und zur Hauptstrasse, wo es auch ein Fahrradweg gab. Dieser führte manchmal über ländliches Gebiet, was ich sehr schön fand.

Ich folgte, so gut es ging, dem Rhein. Die Beschilderung war manchmal dürftig und so verlor ich immer wieder mal den Weg. Das Navi war mehr für die Routenaufzeichnung  geeignet, als zum Navigieren. Vielleicht bin ich auch einfach zu doof.

Dann am Mittag kam ich an der holländischen Grenze an. Kam wie so oft mit einem Mann ins Gespräch, der gerade von Holland kam. Er lebte in Holland. Danach passierte ich die Pforte des Zauns und jupi, ich war in Holland. Ein paar Meter weiter vorne kam ein Kran, wo ich eine Pause einlegte. Da es ein paar Wolken am Himmel hatte, war die Temperatur angenehm. Dann meinte jemand aus meiner WhatsApp Gruppe:  „OK – und ab jetzt wird holländisch geschrieben“
Darauf erwiderte ich:  „Instellen met een boot over de Rijn“

Die Radwege waren wunderschön zu fahren. Kaum Schlaglöcher usw. Einzig was mich mit der Zeit nervte in Holland, dass ausserhalb von den Dörfern / Städten Motorroller auch auf den Radwegen fahren durften. Manchmal kamen die von hinten angeschlossen und hupten. Aber wenn du denkst, die bremsen ab, na sicher nicht. Und Helm tragen bei den Rollerfahrer, fehl am Platz. Je weiter ich auf dem Land fuhr, desto weniger wurde es mit den Rollern, was ich gar nichts dagegen hatte.

Als ich gegen 4 Uhr Nachmittags auf dem Campingplatz Den Hoogen Berg bei Boven-Leeuwen ankam, wurde ich nett empfangen. Der Besitzer mit seine Familie begrüsste mich nett, konnte etwas Deutsch und ich etwas Englisch. So konnten wir uns gut unterhalten. Gleich neben dem Empfang war ein Hühnergehege, davor ein Sitzplatz und dann noch ein kleine Wiese für die Zelte. Sehr familiär. Das gefiel mir sehr.

Der Hammer war der Toiletten/Duschwagen. Echt wunderschön lieblich her gerichtet. So was hatte ich noch nie gesehen. Alles gepflegt. Ich bestellte noch Brötchen für Morgen. Es waren noch 2 weitere holländische Paare anwesend. Schnell kamen wir ins Gespräch, von meiner Seite, so gut es ging auf Englisch. Nachdem wir die Zelte aufgebaut hatten, hatten wir einen tollen Abend, assen zusammen und schwatzten. Sie haben mich zum Essen eingeladen, so lieb von denen.

Nach dem Essen setzte ich mich noch in meinem Stuhl und machte meine Datensicherung und schrieb mein Tagebuch. Dann zog ich mich in mein Zelt zurück, las noch etwas und bald danach war Feierabend. Zelt schliessen und im Schlafsack kuscheln, einschlafen.