Meine grosse Reise 2019 /4
- Mein persönlicher Jakobsweg, 3'229.68 Km

Gesamtstrecke  236.93 Km

 

Woche 4
Von Dülmen - Sassenberg - Rinteln - Hannover

YouTube:

https://youtu.be/hEqn-SAg50M

Sa 06. Juli 2019, Bei Dülmen
 

War gestern echt müde. Daher habe ich gut und tief geschlafen. Der Campingplatz war gestern sehr belebt. Heute Morgen, als ich aufgestanden war um 6.30 Uhr, war es noch ruhig, als ich leise zusammen packte. Doch langsam erwachten dennoch der eine oder Andere. Als ich fertig war mit verpacken, schob ich mein Long Trailer nach vorne zum Eingang und kaufte noch Brötchen. Danach machte ich mich auf den Weg. Der Wetterbericht meinte, dass es erst sonnig ist und danach das Wetter zu machte. Ja sonnig war es, aber auch etwas kühl. Es war nicht mehr so warm, wie zu Beginn meiner Reise.

Ich hatte Rückenwind, das ist doch schon mal was. Doch während der Fahrt, je länger der Tag andauerte, merkte ich, dass ich etwas erschöpft war. Ich war Richtung Hannover zu meinen Freunden unterwegs, was noch ein paar Tage dauern würde.

Als ich auf einer Sitzbank rast machte, nickte ich leicht ein. Als ich dann wieder wach war, viel es mir im ersten Moment schwer, mich auf zu raffen. Dennoch wollte ich weiter kommen, musste ja auch. Gegen Mittag zogen sich die Wolken etwas zu, manchmal kam auch die Sonne durch die Wolken hindurch und wärmte mich etwas. Dennoch wurde es etwas kühl. Ich zog daher meinen Pullover an und darüber meine Windjacke. Mit den kurzen Hosen ging es zum Radeln. Ab ca. 15 Uhr zog sich der Himmel komplett zu. Nun wurde es richtig kalt für sommerliche Verhältnisse. Daher entschloss ich mich ab 16 Uhr auf den nächsten Campingplatz Heidewald zu gehen, da es manchmal auch Nieselregen hatte. Ich bereute die Entscheidung nicht, denn am Campingplatz angekommen, Zelt aufgestellt, fing es an zu regnen. Daher kochte ich im Zelt, was etwas umständlich war. Dennoch war ich im Trocknen, was sehr angenehm war. Ein belebter Platz, auch mit Kindern, doch das störte mich keinen falls. Und so liess ich den Tag/Abend wie immer an mir vorbei ziehen.

So 07. Juli 2019
 

Erholt von der Nacht bin ich aufgewacht. Es schien Trocken zu sein draussen. Ich habe mich angezogen, alles zusammen gepackt und machte mich auf den Weg zum Empfang. Mein Plan war es, Brötchen und ein Schokodrink zu kaufen. Ich hätte diese doch besser vorbestellen sollen. Die Frau an dem Empfang  war aber so freundlich und verkaufte mir ihre 3 Semmeln. Es war mir etwas unangenehm, dennoch sehr zuvorkommend und nett von ihr. Ich bedankte mich sehr für ihre nette Geste. Also bezahlte ich, verabschiedete mich und ging raus zu zu meinem gepackten Rad.

Danach fuhr ich los und die Fahrradstrasse war eine Zeitlang ein Traum. Keine Schlaglöcher, Rückenwind, was möchte man noch mehr. Ja, diese Momente sollte man geniessen, denn  irgendwann war es aber auch wieder anders. Trotzdem gab es Strecken, die ausgezeichnet waren. Immer wieder waren Warnschilder, die einem zur Vorsicht warnten von Eichenprozessions-Spinner. Erst wusste ich gar nicht, was das für Dinger waren. Also ich Pause machte, googelte ich und erfuhr, dass diese Raupenart mit dem einfachen Namen Thaumetopoea Processionea L nicht gerade die angenehmsten Gesellen waren, wenn man mit ihnen auf der Haut in Kontakt kommt. Ihre Brennhaare verteilen sich im Wind und verursachen Juckende, allergische Hautausschläge, worauf man besser einen Arzt aufsuchten sollte. Sie bevorzugen hauptsächlich, wie der Name schon sagt, Eichen. Die Eichenprozessions Spinnern bauen ihre Nester an der Baumrinde. Die kleinen Brennhaare verteilen sich mit dem Wind. Man sieht sie nicht. Der Ausschlag kommt dann auch erst, wenn es zu spät ist, echt fies.

 

Naja, ich war ja mit dem Fahrrad unterwegs und hoffte, dass so ein Geselle sich nicht auf mich fallen lassen würde.

Ich hätte besser schauen müssen, denn nach ca. 15Km bemerkte ich, dass es immer wieder hoch ging. Mit der Zeit war ich echt stinkig, 2-3-mal auch gemässigt geschimpft. Trotzdem erinnerte ich mich immer an letzte Jahr, war ich ab und zu richtig verbal ausgerastet war. Das wollte ich dieses mal nicht und beruhigte mich immer wieder.

Irgendwann gegen späten Nachmittag hatte ich dann den Berg geschafft und es ging „Berg ab“, im positiven Sinne. Ich erreichte um 17.40 Uhr den Campingplatz Weserbergland in Rinteln und machte mich ans aufbauen, neben einer Familie. Es hat auch ein See zum Baden. Leider muss ich sagen, die ersten 2 Wochen waren sehr schön warm, heiss. Jetzt ist es kühl über tags und nachts kalt, 8° Celsius. Da reizte es mich mich nicht gerade so, in den See rein zu springen.

Mein Schlafsack kam an die Grenzen. Damit hatte ich nicht gerechnet. So hatte ich noch die Trainerhose und leichten Pullover im Schlafsack an. Mir wurde wieder mal klar, dass eine gute Ausrüstung viel ausmacht und Sinn ergibt. Mir stinkt das Wetter etwas, war enttäuscht.

Dennoch war es eine Herausforderung und ich möchte diese Momente nicht missen. Was bis anhin positiv war, fast alle anerkannten mich als Frau, sprachen mich auch so an. Das erleichtert mir einiges, auch ich so zu akzeptieren, wie ich aussehe.
 

Mo 08. Juli 2019
 

Hatte heute Morgen Mühe aufzustehen. Es war im Schlafsack kuschelig warm und draussen echt kühl, 8° Celsius. Doch mittlerweile verlor meine Luftmatratze so viel Luft, dass ich in der Nacht einmal aufwachte und die Matratze nochmals Luft rein lassen musste. Zum Glück hatte ich noch die Matte für unter die Matratze, so dass es doch nicht zu hart wurde. Ich schaute immer wieder nach einer neuen Matratze, aber scheinbar konnte man diese nur online bestellen oder aber, was wahrscheinlicher war, ich wusste einfach nicht, wo suchen. Man gewöhnt sich daran, härter zu schlafen.

 Mit etwas Überwindung bin ich dann doch noch um 7 Uhr aufgestanden. Nach der Toilette habe ich dann wie immer das Zelt und Material zusammen gepackt und um 8.30 Uhr bin ich dann gestartet. Gestern hatte ich noch geschaut, dass ich die „Berge" umfahren kann. Im laufe des Morgens, gegen Mittag, merkte ich, dass das Navi doch einen gewissen Teil über die Berg geführt wurde, nicht ganz so hoch, aber es reichte mir. Gestern schrieb ich über meine WhatsApp Gruppe, dass ich über den Berg fahren musste und man diesen im Hintergrund vom Foto etwas sehen würde. Prompt wurde ich von meinen Freunden hoch genommen:

„Der Berg ist vermutlich wegen den Wolken nicht sichtbar.“
„Ich sehe auch keinen Berg, wo soll dann der sein, grins“
„Vielleicht eine Fata Morgana… „
„Berge gibt es dort nicht, nur Hügel, grins“

Das Wetter war auch nicht gerade prickelnd. Den ganzen Tag war es mehr oder weniger bewölkt. Hatte kaum die Sonne gesehen. Im laufe des Tages höchst Temperatur 16° Celsius. Ich war verschwitzt und vor allem, wenn ich mit dem Fahrrad gestanden bin habe ich am Rücken gefroren und es wurde mir kalt.

Trotzdem hatte ich das verlangen, zu Katrina und ihrer Frau Pia hin zu kommen. Hannover kam dann irgendwann immer näher und ich war froh, dass ich die meiste Zeit Rückenwind hatte. Das brachte mich gut voran. Als ich in Springe  ankam, sah ich diesen tollen Brunnen. Fasziniert schaute ich etwas dem Brunnen zu, wie das Wasser kam, die Rädchen bewegten usw.
Um 15.30 Uhr war ich dann endlich angekommen. Ich war aber etwas ausgelaugt von den Letzten 2 Wochen. Denn ich bin jeden Tag ohne unterbrich Fahrrad gefahren. Das schlaucht schon den Körper. Daher bemerkte ich auch eine Reisemüdigkeit. Ein paar Tage tun mir gut, auszuspannen. Vorgesehen waren 3 Tage bei Katrina und Pia.

Also telefonierte ich vor den Schrebergärten Katrina an, dass ich angekommen war. Wir haben uns begrüsst, unterhielten uns und sie zeigte mir ihren Schrebergarten. Als wir in dem kleinen Häuschen angekommen waren, begrüssten mich erst mal 2 kleine Chihuahuas Hunde und danach Katrina‘s Frau, Pia. Ich packte mein Fahrrad ab und verstaute meine Sachen. Katrina und Pia waren viel im Schrebergarten, lebten da über den Sommer.
Später hat Pia Spagetti Carbonare gekocht, die echt lecker waren und liessen danach den Abend vor dem TV ausklingen. Zum Schlafen konnte ich das Sofa nehmen, das im Gegensatz zu meiner Matratze sehr bequem war.

Mi 10. Juli 2019
 

Ich hatte bei Katrina und Pia im Schrebergarten Häuschen gut geschlafen. Auch die Hundi‘s hatten mich lieb begrüsst. Später lernte ich noch die Freunde von Katrine/Pia kennen, Tobi und Jenny und ihre beiden Hunde. Der eine heisst Zeus.

Draussen war es richtig kalt. Das Thermometer zeigte mir 12° Grad um 8 Uhr morgens an. Drinnen haben sie einen Holzofen, wo sie das Häuschen beheizen. Erst mal einen Kaffee und frühstücken.

Vorgesehen waren 3 Tage hier in Hannover. Doch die Wettervorhersage war nicht gerade zuversichtlich. Meine Tourenausrüstung Kleider waren nicht für diese Temperaturen ausgelegt. War etwas frustriert vom Wetter. Was hörte ich ständig vor der Tour, dass wird ein heisser Sommer. So kam es mir gerade nicht vor. Aus 3 Tage wurden 10 Tage.

Diese Zeit nutzte ich, um mit Katrina und Pia Hannover besser kennen zu lernen.  Am Mittwoch gingen wir ins Rathaus Museum. Interessant war der Bogen-Fahrstuhl. Auf dem Weg nach oben wird es es erst senkrecht, danach in einem Winkel von 17° Grad in die Höhe transportieren. Ein Fenster in Dach und Boden der Kabine bietet die Möglichkeit, den Verlauf hautnahe zu verfolgen.

Auch die Geschichte von Hannover ist sehr interessant. Danach schauten wir noch die Aegidienkirche nebenan an:

„In der Nacht zum 9. Oktober 1943 wurde die Aegidien-Kirche wie die umliegende Innenstadt beim schwersten Bombenangriff auf Hannover zerstört. Lediglich die rohen Umfassungsmauern blieben stehen. Der Turm verlor seinen Helm und brannte vollständig aus.  Die Innenausstattung der Kirche ist zerstört, mit zwei Ausnahmen: Die Bronzetaufe der Aegidienkirche aus dem Jahre 1490 steht heute in der Marktkirche, ihre drei Kronleuchter hängen in der Kreuzkirche. Zwei Statuen (Luther und Melanchthon) an der Westfront neben dem Turm stammen aus der Laves‘schen Renovierungsphase.
Eine Besonderheit für Hannover sind die einzelnen Seitenschiffgiebel. Vorbilder dafür finden sich im Westfälischen sowie bei den Kirchen im Braunschweiger und Magdeburger Raum. Einen Eindruck von der ehemaligen Dachsilhouette des Kirchenschiffes gibt der Blick auf die Ostseite des Turmes, wo ein Abdruck des alten Daches im Mauerwerk zu erkennen ist.
Das Kuratorium der 1954 zum Mahnmal gewidmeten Ruine beschloss neben der Rekonstruktion der zerstörten Chorwand mit Deistersandsteinen die Anlage eines Steinfußbodens. Darin findet sich im Übergang zum Chor eine große Platte mit der schlichten Aufschrift „Unseren Toten“ sowie seit 1993 die in CarraraMarmor gelegte Silhouette der Südseite der Ruine, gestaltet von Dorothee von Windheim. Die Schattenlinie erinnert an die Nähe von Schatten und Licht, Tod und Leben an diesem besonderen Ort. Im Chor wurde ein großes metallenes Kreuz aufgestellt.  Rußgeschwärzte Steine blieben am Turm erhalten, ebenso Reste des alten Maßwerkes in den sonst leeren Fensterhöhlen. Zuletzt wurde auf den Turmstumpf eine leichte, 15 Meter hohe Stahlkonstruktion gesetzt. In ihr hängen 25 Bronzeglocken, die ein einmaliges Glockenspiel der Erinnerung bilden. Bis zu ihrer Zerstörung hatte die Aegidienkirche ein besonderes, aus vier Glocken bestehendes Geläut, das so bekannt und beliebt war, dass es im Ersten Weltkrieg im Turm bleiben durfte.
Die älteste der Glocken war damals mehr als 600 Jahre alt. Den oberen Abschluss des neuen Turmes bildet eine kleine Kuppel mit einem schlanken, schlichten Kreuz. Eine besondere Beziehung verbindet die Aegidienkirche mit Hiroshima. Hannovers japanische Partnerstadt übergab 1985 eine Friedensglocke. Ein identischer Zwilling hängt in Hiroshima. Dort wie im Erdgeschoss der Turmruine werden die Glocken in jedem Jahr zeitgleich am 6. August im Gedenken an den ersten Atombombenabwurf auf Hiroshima sowie an die Opfer von Krieg und Gewalt angeschlagen. „

Es war ein denkwürdiger Besuch. Es stimmte mich nachdenklich, zumal ich mich mit der deutschen Geschichte auseinander gesetzt habe.  Dann verliessen wir die Kirche und machten uns auf den „Heimweg“. Der Tag liessen wir angenehm ausklingen.

Do 11. Juli 2019
 

Heute war das Wetter wieder etwas wärmer, dennoch frisch. Ich schaute mir am Morgen die Wettervorhersage an. Die war echt nicht viel versprechend, was die Temperatur anging. Auch Regen war angesagt. So entschloss ich mich noch ein – 2 Tage länger zu bleiben.

Gegen Mittag machten wir uns auf den Weg ins Hubschrauber-Museum in Bückeburg bei Minden. Es war echt spannend, diese vielen Typen und ihre Geschichte zu sehen, lesen. Auch die Geschichte der Helikopter Luftfahrt war sehr interessant. Zwischendurch hatten wir in einem Show Helikopter etwas rumgeblödelt.

Dann so gegen 15 Uhr gingen wir noch ins Schloss Bückeburg. Das Schloss lässt sich bis ins Jahr 1304 zurückverfolgen. Das Schloss ist bewohnt. Teile des Schlosses können kostenpflichtig besichtigt werden. Es hat auch einen kleinen Souvenirladen. Wenn man Fotos machen möchte, kostet das extra. Dennoch lohnt sich die Besichtigung.

Ansonsten gibt es nicht viel vom Tag zu erzählen. Am Abend kam noch Jenny und Tobi vorbei, die die Hundchen abholten. Sie gaben sie während des Tages Katrina und Pia in Obhut, da sie arbeiten gingen.

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