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Meine grosse Reise 2019 /7
- Mein persönlicher Jakobsweg, 3'229.68 Km

Gesamtstrecke  446.48 Km

 

Woche 7
Von Nordholz - Bremen -  Goldenstedt -  Osnabrück - Senden - Essen - Lörick-Rheinauen

YouTube:
https://youtu.be/8NKyuoz0HSE

Sa 27. Juli 2019
 

Heute hatte ich mich gewagt, wieder auf‘s Rad zu steigen. Zu beginn hatte ich kaum Schmerzen, als ich aufsass. Dennoch wollte ich weiter kommen. Als ich einige Kilometer weiter durch Midlum fuhr, bemerkte ich schon an der Ortseinfahrt, dass immer wieder schön gestaltet eine 800 am Strassenrand stand. Dies in verschiedenen Formen. Dann fragte ich ein Ortsansässiger, was es sich mit der 800 auf sich hatte. Er meinte, sie feierten das 800 Jährige Bestehen von Midlum. Später konnte ich es auch lesen.

Später sah ich auch ein Puppenpaar und witzelte über WhatsApp an meine Pflegeeltern: „Ich habe Euch gesehen“. Darauf meinten sie, ja bei dem heissen Wetter hat man ebenso aufgequollene Beine. Ein weiteres Puppenpaar in Schwarz meinte ich zu meinem, freund, dass ich auch Ihn und seine Freundin gesehen hätte, worauf er meinte, man kann uns nicht entweichen.

Als ich durch ein Waldstück an der Strasse entlang fuhr, kam ich an einem Rastplatz vorbei. Es ärgert mich so, wenn ich sehe, wie einfach Müllsäcke in den Wald geschmissen wird. Auch sonst empfand ich es extrem, wieviel Müll am Strassenrand lag. Was geht nur in deren Köpfe vor, wenn sie diese Dinge wegschmeissen…
Kurz vor Bremen sah ich diese Tolle Lok mit Anhänger. Ich war fasziniert von dem Bild auf der Lok. Das macht auch meine Reise aus, man sieht Dinge, die man sonst nie zu Gesicht bekommt. Die Schmerzen im Schritt waren schon ziemlich deftig. Dennoch wollte ich mein Tagesziel erreichen und versuchte so gut es ging, die Schmerzen zu ignorieren. So erreichte ich dann den Campingplatz, Hanse Camping Bremen. Es war ein schöner, gepflegter Campingplatz. Hatte auch einen schönen Zeltplatz, dennoch war er mir irgendwie zu… Still kann man nicht sagen. Wie soll ich sagen, zu anonym? Wohl das falsche Wort, fällt mir nichts Besseres ein. Aber dennoch war es angenehm.

Danach war wie meist, das übliche Ritual, ankommen, Zelt aufstellen, abpacken, duschen gehen und dann Kochen und einen gemütlichen Abend verbringen… Gute Nacht.
 

So 28. Juli 2019
 

Hatte gut geschlafen. Als ich aus dem Zelt kroch, war es noch ruhig auf dem Platz. Nebenan kamen gestern noch 4 Franzosen mit ihren schweren Motorrädern an. Die waren daran, das Zelt und Material am zusammen packen. Rechts von mir dasselbe von 2 Jungen Frauen. Gestern beneidete ich sie. Wie gerne hätte ich in diesem Moment auch jemanden (Frau) an meiner Seite gehabt, mit der ich meine Reise zusammen erleben könnte. Wie gerne wäre ich auch nur halb so schön wie diese. Es sind kurze Gedanken, die mir durch den Kopf gehen, die aber wieder weg gehen.

Ich machte erst mal Frühstück und danach begann auch ich, mein Zelt abzubauen.  Als ich fertig gepackt hatte, waren die Franzosen und die beiden jungen Frauen schon weg. Als ich zum Eingang fuhr, standen da dann die Franzosen.

Ich fuhr durch Bremen und innerlich verabschiedete ich mich vom Norden, der Nordsee. Ein wenig Wehmut kam für kurze Zeit auf. Das Wetter war aber wieder wunderschön. In Delmenhorst faszinierten mich 2 gegenüber liegende Häuser, die bemalt waren. Kurz danach, schon auf dem Lande begegnete ich diese Raststätte. Sie schien verlassen zu sein. Bin wohl falsch abgebogen und im wilden Westen gelandet…
Später nach Recherchen fand ich raus, dass es nur an gewissen Tagen geöffnet hatte.

Dann das grosse Unglück. Während dem fahren begegnete ich einem kleinen Mäuschen, das gerade die Fahrradstrasse überquerte. Als ich schon beim Mäuschen war und es mich sah, drehte es um und rannte prompt unter meinem Reifen. So ein verd… Mist. Ich bremste, ging zurück und es tat mir so leid. Warum musste es auch nur umdrehen, wäre ja in Sicherheit gewesen. Ich hob es auf und legte es an den Feld Seitenrand in die Wiese, damit es wenigstens nicht so trostlos auf der Strasse lag. Ich machte mir Gedanken. Hoffentlich hatte es keine Jungen, die würden sterben. Bei der Weiterfahrt machte ich mir noch eine Weile darüber Gedanken. Dat mir schon weh.

Dann kam mein grosser Fund. Anfangs der Reise hatte ich meine teure gleitsicht Sonnenbrille verloren. Nun fand ich eine verspiegelt billig Sonnenbrille. Was für ein Fund… Ich zog sie an und machte ein Foto von mir. Poa, wie schrecklich ich dabei aussah. Das kann ich der Welt nicht zeigen. Dennoch nahm ich sie als Erinnerung mit.

Bei Goldenstedt beim Ortseingang fand ich ein Campingplatz. Für heute reicht es. Spürte immer noch leicht die Schmerzen im Schritt, aber bei weitem nicht mehr so schlimm, wie zu Beginn vor 3 Tagen. Das Wetter war bewölkt und es kündigte sich leichten Regen an. Zurzeit war es aber trocken. Der Campingplatz war gut gelegen. Das Empfangshäuschen war klein und die Empfangsdame begrüsste mich nett. Nach dem Bezahlen bezog ich meinen Platz. Ein gepflegter Campingplatz, aber ruhig. Neben meinem Zelt stand ein Campingwagen. Später begrüsste ich die Eigentümer.

Dann kamen noch ein junges Paar mit einem Tandem Fahrrad. Ich freute mich, aber sie zogen es vor, weiter weg von mir das Zelt aufzuschlagen. So kam es nicht zu einem Gespräch, schade. Dann ging ich Duschen. Als ich zurück war, begann ich zu kochen. Nach einer Stunde erschien die Frau vom Campingwagen und meinte, ob ich nicht was vermisse, nannte mein Name. Ich war überrascht und wusste gerade nicht, wovon sie redete. Da zeigte sie mir mein Portemonnaie, das ich in der Dusche liegen lassen hatte. Peinlich und dennoch so froh darüber, dass sie es mir gebracht hatte. Denn da war mein Geld und Ausweise darin. Ich wollte ihr einen Finderlohn bezahlen, doch sie lehnte dankend ab. Ja es gibt noch ehrliche Finder. Ich war so erleichtert, nichts fehlte darin.

Nach dem Essen hatte ich noch Kleider gewaschen. Dafür habe ich eigens ein Waschmittel für Kleider mit, das auf Touren geeignet ist.  Danach hängte ich sie an meiner Wäscheleine auf zum Trocknen. Als ich es mir gemütlich machte im Zelt, fing es an, zu regnen. Also schnell Raus und Wäsche rein nehmen. Es war zum Glück nicht viel, so konnte ich es behelfsmässig im Zelt aufhängen. Dann schaute ich noch auf meinem Handy ein YouTube-Video oder 2 und schlief dann auch schon bald ein.
 

Mo 29. Juli 2019
 

Als ich heute Morgen um 6 Uhr aufgestanden bin, war alles komplett ruhig. Keine Menschenseele war zu sehen. Leise packte ich meine Sachen zusammen. Danach machte ich noch ein paar Fotos vom Campingplatz. Das Wetter war trüb, Bewölkt.
Die Stimmung auf dem Platz war für mich drückend, auch beim Fotografieren war irgendwie eine Leere. Als fertig gepackt hatte, verlies ich leise den Platz. Ich fuhr los weiter durch Goldenstedt und kam an einem Lidl vorbei. Den Moment nutzte ich, um etwas zu essen und Getränke einzukaufen. Ausserdem kaufte mir noch beim Bäcker Brötchen und einen Schokodrink. Als ich draussen bei den Tischen mich hinsetzte, begegnete ich noch der Frau vom Wohnmobil beim Campingplatz. Freundlich begrüssten wir uns und zugleich auch wünschten wir uns schöne Weiterfahrt.

Irgendwie war der Start in den Tag trostlos. Auch das bewölkte Wetter trug dazu bei. Nach Goldenstedt nähe Lutten begegnete ich der Theresienkapelle. Diese entstand 1899. Ein besinnlicher Ort, so fühlte es sich gerade an. Weiter ging die Fahrt ins Nirgendwo, so kam es mir vor, was nicht negativ gemeint war. Das Wetter hellte ein wenig auf.

So kam ich auch an Torffelder, so scheint es mir, vorbei. Sa ich so noch nie, fand es aber spannend. Ich bemerkte dann auch, dass die Schmerzen sozusagen Geschichte waren. Soll mir recht sein. Mitten am Nachmittag erreichte ich die Wasserburg Alt-Barenau. Ein wunderschönes, aber etwas renovierungsbedürftige Burg. Die Wasserburg gehört zur Gemeinde Bramsche im Landkreis Osnabrpück-Niedersachsen. Sie ist im 13. Jahrhundert, 1305 Entstanden. Das Torgebäude entstand um 1689 mit 8-Eckigem Fachwerk im oberen Teil. Dazu diese alten Bäume am Strassenrand, die mich faszinierten.

Erst ging es den Berg hoch Richtung Osnabrück, was Fahrrad schieben bedeutet. Als mich ein E-Bike überholte, dachte ich im ersten Moment so, ja ein Motörchen wäre schon was tolles. Dann aber dachte ich, ich kann stolz auf mich sein, alles mit eigener Kraft gemacht zu haben. Danach viel die Strasse seil ab und meine hydraulischen Bremsen wurden stark beansprucht. Der Trick dabei ist, immer wieder die Bremsen los zu lassen, damit sich die Bremsscheibe erstens nicht all zu fest überhitzt und zweitens auch die Bremsbacken geschont werden.

Dann erreichte ich Osnabrück, musste aber durch die Stadt fahren, um den Campingplatz Niedersachsenhof zu erreichen, den ich über Google gesehen habe. In der Rezession schrieb jemand, Merkwürdiger Besitzer. Als ich da ankam, wurde ich mit Er angesprochen, was mich nicht weiter störte. Dennoch kam auch mir dieser Mann merkwürdig vor, aber nicht gefährlich. Ich bezog danach den Platz und sah mich um. Der Platz war gepflegt, etwas zu ruhig und in die Jahre gekommen. Vor allem der Spielplatz, als ich den sah, kam mir gleich eine Doku in den Sinn von Tschernobyl, wo ein Spielpark gezeigt wurde. Der war auch zugewachsen und am verrosten.

Hinten am Platz waren noch 2 Frauen zugange, wohl Mutter und Tochter aus Frankreich. Später gesellt sich ein Paar neben mir, die ich nicht einordnen konnte. Bald darauf fuhr der männliche Begleiter weg und sie musste das Zelt alleine aufbauen. Was mich begeisterte, es war ein Zelt aus den 70er Jahre, mit „tausend“ Stangen und Teile, die man damals schon kaum zusammen brachte. So hatte sie auch Mühe und ich half ihr beim Aufbauen. Als sie fertig war, kam er wieder kurz vorbei, ging aber wieder auch einiger Zeit. Das soll verstehen wer will..

Dann baute ich mein eigenes Zelt auf und wollte es mir auf meinem zerlegbaren Campingstuhl gemütlich machen. Ich sah nicht, dass sich auf der Lehne eine Wespe befand. Als ich mich anlehnte, stach sie mir in die Schulter. Die Nachbarin vom Oldscool Zelt gab mir einen guten Tipp: Ein Zwiebelhälfte darauf drücken, nach einer Weile nochmals. Ich war überrascht, dass dies wirklich half. Der Schmerz verschwand. Was man nicht alles auf der Tour so lernt.

Ich ass noch etwas und hörte mir dann die Stille vom Platz an. Der Lärm von der Strasse war nicht zu überhören, doch ich habe auf der Tour gelernt, gewisser Lärm usw. zu ignorieren. Eine Schutzwand wäre da sicher angebracht. Dennoch schlief ich später gut ein.
 

Di 30. Juli 2019
 

Als ich heute Morgen aufgewacht bin, war auf dem Campingplatz totenstille. Einzig der Lärm von der Strasse war zu hören. Also packte ich leise zusammen. Ich mochte nicht hier frühstücken, es war mir zu ruhig.  Als ich zusammen gepackt hatte, wollte ich noch eine Filmsequenz vom Spielplatz machen. Irgendwie faszinierte mich dieser, dessen Zustand. Kann es mir auch nicht erklären. Danach ging ich noch auf die Toilette, um Wasser in die Flaschen nachzufüllen. Dabei begegnete ich nur einer Menschenseele, die es nicht für nötig hielt, zu grüssen. War froh, als ich weg, unterwegs war.

Das Wetter schien wieder herrlich zu werden. Und bald kam ich an den „Berg“. Ich war Richtung Lengerich unterwegs. Die Frage des Tages war, Richtung Hörstel nördlich die Bergkette umfahren, was einige KM mehr bedeutet oder über die Bergkette radeln. Ich entschied mich für die 2. Variante. Bei den ersten Erhebungen konnte ich noch dazwischen durch fahren. Über den Berg radeln, der ist gut, denn danach ging es steil nach oben. Es war heiss, meine Lunge war ausgetrocknet beim Hochschieben. Als dann ein kurzes Stück Strasse kam, das noch steiler war (für mich fühlte es sich an wie 1 Km), musste ich 2 – 3 mal anhalten und durchatmen, dann weiter schieben. Danach Pause machen, als es ein klein wenig Flacher wurde. Zum Glück hatte es eine Bank im Schatten der Bäume.

Also setzte ich mich ausgepowert dahin und gierte nach Flüssigkeit. Was tat das gut. Danach noch eine Kleinigkeit essen und noch 10 Minuten Pause. Und weiter geht es mit schieben. Ich konnte ja froh sein, dass ich nicht die ganze Höhe des Berges machen musste. Irgendwann nach einer gefühlten Ewigkeit hatte ich den „Pass“ erreicht. Ach was tat das gut, einfach mal runter fahren zu können. Ein kleiner Wermutstropfen blieb da. Zu Beginn der Reise hat mir ja jemand geholfen, dass meine Bremsscheiben vorne nicht mehr Laute von sich gibt, mit Öl. Ja, die Bremsen waren immer noch nicht zu 100% zu gebrauchen. So konnte ich nicht ganz so, wie ich es gerne gehabt hätte, nach unten „rasen“ musste immer genug früh bei Kurven bremsen.

Doch irgendwann bin ich gut unten angekommen und endlich kam die Rheinebene, so nannte ich das. Denn nur noch Flach, keine Berge mehr dazwischen. Danach lief die Fahrt ruhig, friedlich und heiss. Es waren wieder mal kühle 35° Grad Celsius.

Dann fuhr ich ein Teil dem Dortmund-Ems-Kanal entlang, bis kurz nach Münster. Als ich in Münster angekommen war, sah ich die gut ausgebauten Fahrrad Wege und die vielen Velofahrer. Echt tolles Gefühl. Und ich war nicht mal so langsam mit meinem Longtrailer.  Nach Münster wurde es wieder ruhig, ländlich. Irgendwann traf ich beim Campingplatz Kranencamp bei Senden ein. Musste nur kurz warten und danach wurde ich sehr Freundlich von dem Betreiber begrüsst. Nach dem Zahlen, zeigte er mir mein Platz, wo ich mein Zelt aufstellen konnte. Mein Fahrrad konnte ich gegen Regen unterstellen. Das tolle war, er hatte extra Ladestationen für E-Bikes. Na das brauch ich wohl nicht nutzen.

Später kam ich noch mit Norweger ins Gespräch. Wir unterhielten uns mit Englisch, wo mein Englisch gerade so ausreichte, um ein Gespräch zu führen, mit Ecken und Kanten. Dennoch war es gemütlich, herrlich. Später am Abend zog ich mich zurück in mein Zelt, sicherte meine Bilder und genoss den Abend…