Meine grosse Reise 2019 /7
- Mein persönlicher Jakobsweg, 3'229.68 Km

Gesamtstrecke  446.48 Km

 

Woche 7
Von Nordholz - Bremen -  Goldenstedt -  Osnabrück - Senden - Essen - Lörick-Rheinauen

YouTube:
https://youtu.be/8NKyuoz0HSE

Sa 27. Juli 2019
 

Heute hatte ich mich gewagt, wieder auf‘s Rad zu steigen. Zu beginn hatte ich kaum Schmerzen, als ich aufsass. Dennoch wollte ich weiter kommen. Als ich einige Kilometer weiter durch Midlum fuhr, bemerkte ich schon an der Ortseinfahrt, dass immer wieder schön gestaltet eine 800 am Strassenrand stand. Dies in verschiedenen Formen. Dann fragte ich ein Ortsansässiger, was es sich mit der 800 auf sich hatte. Er meinte, sie feierten das 800 Jährige Bestehen von Midlum. Später konnte ich es auch lesen.

Später sah ich auch ein Puppenpaar und witzelte über WhatsApp an meine Pflegeeltern: „Ich habe Euch gesehen“. Darauf meinten sie, ja bei dem heissen Wetter hat man ebenso aufgequollene Beine. Ein weiteres Puppenpaar in Schwarz meinte ich zu meinem, freund, dass ich auch Ihn und seine Freundin gesehen hätte, worauf er meinte, man kann uns nicht entweichen.

Als ich durch ein Waldstück an der Strasse entlang fuhr, kam ich an einem Rastplatz vorbei. Es ärgert mich so, wenn ich sehe, wie einfach Müllsäcke in den Wald geschmissen wird. Auch sonst empfand ich es extrem, wieviel Müll am Strassenrand lag. Was geht nur in deren Köpfe vor, wenn sie diese Dinge wegschmeissen…
Kurz vor Bremen sah ich diese Tolle Lok mit Anhänger. Ich war fasziniert von dem Bild auf der Lok. Das macht auch meine Reise aus, man sieht Dinge, die man sonst nie zu Gesicht bekommt. Die Schmerzen im Schritt waren schon ziemlich deftig. Dennoch wollte ich mein Tagesziel erreichen und versuchte so gut es ging, die Schmerzen zu ignorieren. So erreichte ich dann den Campingplatz, Hanse Camping Bremen. Es war ein schöner, gepflegter Campingplatz. Hatte auch einen schönen Zeltplatz, dennoch war er mir irgendwie zu… Still kann man nicht sagen. Wie soll ich sagen, zu anonym? Wohl das falsche Wort, fällt mir nichts Besseres ein. Aber dennoch war es angenehm.

Danach war wie meist, das übliche Ritual, ankommen, Zelt aufstellen, abpacken, duschen gehen und dann Kochen und einen gemütlichen Abend verbringen… Gute Nacht.
 

So 28. Juli 2019
 

Hatte gut geschlafen. Als ich aus dem Zelt kroch, war es noch ruhig auf dem Platz. Nebenan kamen gestern noch 4 Franzosen mit ihren schweren Motorrädern an. Die waren daran, das Zelt und Material am zusammen packen. Rechts von mir dasselbe von 2 Jungen Frauen. Gestern beneidete ich sie. Wie gerne hätte ich in diesem Moment auch jemanden (Frau) an meiner Seite gehabt, mit der ich meine Reise zusammen erleben könnte. Wie gerne wäre ich auch nur halb so schön wie diese. Es sind kurze Gedanken, die mir durch den Kopf gehen, die aber wieder weg gehen.

Ich machte erst mal Frühstück und danach begann auch ich, mein Zelt abzubauen.  Als ich fertig gepackt hatte, waren die Franzosen und die beiden jungen Frauen schon weg. Als ich zum Eingang fuhr, standen da dann die Franzosen.

Ich fuhr durch Bremen und innerlich verabschiedete ich mich vom Norden, der Nordsee. Ein wenig Wehmut kam für kurze Zeit auf. Das Wetter war aber wieder wunderschön. In Delmenhorst faszinierten mich 2 gegenüber liegende Häuser, die bemalt waren. Kurz danach, schon auf dem Lande begegnete ich diese Raststätte. Sie schien verlassen zu sein. Bin wohl falsch abgebogen und im wilden Westen gelandet…
Später nach Recherchen fand ich raus, dass es nur an gewissen Tagen geöffnet hatte.

Dann das grosse Unglück. Während dem fahren begegnete ich einem kleinen Mäuschen, das gerade die Fahrradstrasse überquerte. Als ich schon beim Mäuschen war und es mich sah, drehte es um und rannte prompt unter meinem Reifen. So ein verd… Mist. Ich bremste, ging zurück und es tat mir so leid. Warum musste es auch nur umdrehen, wäre ja in Sicherheit gewesen. Ich hob es auf und legte es an den Feld Seitenrand in die Wiese, damit es wenigstens nicht so trostlos auf der Strasse lag. Ich machte mir Gedanken. Hoffentlich hatte es keine Jungen, die würden sterben. Bei der Weiterfahrt machte ich mir noch eine Weile darüber Gedanken. Dat mir schon weh.

Dann kam mein grosser Fund. Anfangs der Reise hatte ich meine teure gleitsicht Sonnenbrille verloren. Nun fand ich eine verspiegelt billig Sonnenbrille. Was für ein Fund… Ich zog sie an und machte ein Foto von mir. Poa, wie schrecklich ich dabei aussah. Das kann ich der Welt nicht zeigen. Dennoch nahm ich sie als Erinnerung mit.

Bei Goldenstedt beim Ortseingang fand ich ein Campingplatz. Für heute reicht es. Spürte immer noch leicht die Schmerzen im Schritt, aber bei weitem nicht mehr so schlimm, wie zu Beginn vor 3 Tagen. Das Wetter war bewölkt und es kündigte sich leichten Regen an. Zurzeit war es aber trocken. Der Campingplatz war gut gelegen. Das Empfangshäuschen war klein und die Empfangsdame begrüsste mich nett. Nach dem Bezahlen bezog ich meinen Platz. Ein gepflegter Campingplatz, aber ruhig. Neben meinem Zelt stand ein Campingwagen. Später begrüsste ich die Eigentümer.

Dann kamen noch ein junges Paar mit einem Tandem Fahrrad. Ich freute mich, aber sie zogen es vor, weiter weg von mir das Zelt aufzuschlagen. So kam es nicht zu einem Gespräch, schade. Dann ging ich Duschen. Als ich zurück war, begann ich zu kochen. Nach einer Stunde erschien die Frau vom Campingwagen und meinte, ob ich nicht was vermisse, nannte mein Name. Ich war überrascht und wusste gerade nicht, wovon sie redete. Da zeigte sie mir mein Portemonnaie, das ich in der Dusche liegen lassen hatte. Peinlich und dennoch so froh darüber, dass sie es mir gebracht hatte. Denn da war mein Geld und Ausweise darin. Ich wollte ihr einen Finderlohn bezahlen, doch sie lehnte dankend ab. Ja es gibt noch ehrliche Finder. Ich war so erleichtert, nichts fehlte darin.

Nach dem Essen hatte ich noch Kleider gewaschen. Dafür habe ich eigens ein Waschmittel für Kleider mit, das auf Touren geeignet ist.  Danach hängte ich sie an meiner Wäscheleine auf zum Trocknen. Als ich es mir gemütlich machte im Zelt, fing es an, zu regnen. Also schnell Raus und Wäsche rein nehmen. Es war zum Glück nicht viel, so konnte ich es behelfsmässig im Zelt aufhängen. Dann schaute ich noch auf meinem Handy ein YouTube-Video oder 2 und schlief dann auch schon bald ein.
 

Mo 29. Juli 2019
 

Als ich heute Morgen um 6 Uhr aufgestanden bin, war alles komplett ruhig. Keine Menschenseele war zu sehen. Leise packte ich meine Sachen zusammen. Danach machte ich noch ein paar Fotos vom Campingplatz. Das Wetter war trüb, Bewölkt.
Die Stimmung auf dem Platz war für mich drückend, auch beim Fotografieren war irgendwie eine Leere. Als fertig gepackt hatte, verlies ich leise den Platz. Ich fuhr los weiter durch Goldenstedt und kam an einem Lidl vorbei. Den Moment nutzte ich, um etwas zu essen und Getränke einzukaufen. Ausserdem kaufte mir noch beim Bäcker Brötchen und einen Schokodrink. Als ich draussen bei den Tischen mich hinsetzte, begegnete ich noch der Frau vom Wohnmobil beim Campingplatz. Freundlich begrüssten wir uns und zugleich auch wünschten wir uns schöne Weiterfahrt.

Irgendwie war der Start in den Tag trostlos. Auch das bewölkte Wetter trug dazu bei. Nach Goldenstedt nähe Lutten begegnete ich der Theresienkapelle. Diese entstand 1899. Ein besinnlicher Ort, so fühlte es sich gerade an. Weiter ging die Fahrt ins Nirgendwo, so kam es mir vor, was nicht negativ gemeint war. Das Wetter hellte ein wenig auf.

So kam ich auch an Torffelder, so scheint es mir, vorbei. Sa ich so noch nie, fand es aber spannend. Ich bemerkte dann auch, dass die Schmerzen sozusagen Geschichte waren. Soll mir recht sein. Mitten am Nachmittag erreichte ich die Wasserburg Alt-Barenau. Ein wunderschönes, aber etwas renovierungsbedürftige Burg. Die Wasserburg gehört zur Gemeinde Bramsche im Landkreis Osnabrpück-Niedersachsen. Sie ist im 13. Jahrhundert, 1305 Entstanden. Das Torgebäude entstand um 1689 mit 8-Eckigem Fachwerk im oberen Teil. Dazu diese alten Bäume am Strassenrand, die mich faszinierten.

Erst ging es den Berg hoch Richtung Osnabrück, was Fahrrad schieben bedeutet. Als mich ein E-Bike überholte, dachte ich im ersten Moment so, ja ein Motörchen wäre schon was tolles. Dann aber dachte ich, ich kann stolz auf mich sein, alles mit eigener Kraft gemacht zu haben. Danach viel die Strasse seil ab und meine hydraulischen Bremsen wurden stark beansprucht. Der Trick dabei ist, immer wieder die Bremsen los zu lassen, damit sich die Bremsscheibe erstens nicht all zu fest überhitzt und zweitens auch die Bremsbacken geschont werden.

Dann erreichte ich Osnabrück, musste aber durch die Stadt fahren, um den Campingplatz Niedersachsenhof zu erreichen, den ich über Google gesehen habe. In der Rezession schrieb jemand, Merkwürdiger Besitzer. Als ich da ankam, wurde ich mit Er angesprochen, was mich nicht weiter störte. Dennoch kam auch mir dieser Mann merkwürdig vor, aber nicht gefährlich. Ich bezog danach den Platz und sah mich um. Der Platz war gepflegt, etwas zu ruhig und in die Jahre gekommen. Vor allem der Spielplatz, als ich den sah, kam mir gleich eine Doku in den Sinn von Tschernobyl, wo ein Spielpark gezeigt wurde. Der war auch zugewachsen und am verrosten.

Hinten am Platz waren noch 2 Frauen zugange, wohl Mutter und Tochter aus Frankreich. Später gesellt sich ein Paar neben mir, die ich nicht einordnen konnte. Bald darauf fuhr der männliche Begleiter weg und sie musste das Zelt alleine aufbauen. Was mich begeisterte, es war ein Zelt aus den 70er Jahre, mit „tausend“ Stangen und Teile, die man damals schon kaum zusammen brachte. So hatte sie auch Mühe und ich half ihr beim Aufbauen. Als sie fertig war, kam er wieder kurz vorbei, ging aber wieder auch einiger Zeit. Das soll verstehen wer will..

Dann baute ich mein eigenes Zelt auf und wollte es mir auf meinem zerlegbaren Campingstuhl gemütlich machen. Ich sah nicht, dass sich auf der Lehne eine Wespe befand. Als ich mich anlehnte, stach sie mir in die Schulter. Die Nachbarin vom Oldscool Zelt gab mir einen guten Tipp: Ein Zwiebelhälfte darauf drücken, nach einer Weile nochmals. Ich war überrascht, dass dies wirklich half. Der Schmerz verschwand. Was man nicht alles auf der Tour so lernt.

Ich ass noch etwas und hörte mir dann die Stille vom Platz an. Der Lärm von der Strasse war nicht zu überhören, doch ich habe auf der Tour gelernt, gewisser Lärm usw. zu ignorieren. Eine Schutzwand wäre da sicher angebracht. Dennoch schlief ich später gut ein.
 

Di 30. Juli 2019
 

Als ich heute Morgen aufgewacht bin, war auf dem Campingplatz totenstille. Einzig der Lärm von der Strasse war zu hören. Also packte ich leise zusammen. Ich mochte nicht hier frühstücken, es war mir zu ruhig.  Als ich zusammen gepackt hatte, wollte ich noch eine Filmsequenz vom Spielplatz machen. Irgendwie faszinierte mich dieser, dessen Zustand. Kann es mir auch nicht erklären. Danach ging ich noch auf die Toilette, um Wasser in die Flaschen nachzufüllen. Dabei begegnete ich nur einer Menschenseele, die es nicht für nötig hielt, zu grüssen. War froh, als ich weg, unterwegs war.

Das Wetter schien wieder herrlich zu werden. Und bald kam ich an den „Berg“. Ich war Richtung Lengerich unterwegs. Die Frage des Tages war, Richtung Hörstel nördlich die Bergkette umfahren, was einige KM mehr bedeutet oder über die Bergkette radeln. Ich entschied mich für die 2. Variante. Bei den ersten Erhebungen konnte ich noch dazwischen durch fahren. Über den Berg radeln, der ist gut, denn danach ging es steil nach oben. Es war heiss, meine Lunge war ausgetrocknet beim Hochschieben. Als dann ein kurzes Stück Strasse kam, das noch steiler war (für mich fühlte es sich an wie 1 Km), musste ich 2 – 3 mal anhalten und durchatmen, dann weiter schieben. Danach Pause machen, als es ein klein wenig Flacher wurde. Zum Glück hatte es eine Bank im Schatten der Bäume.

Also setzte ich mich ausgepowert dahin und gierte nach Flüssigkeit. Was tat das gut. Danach noch eine Kleinigkeit essen und noch 10 Minuten Pause. Und weiter geht es mit schieben. Ich konnte ja froh sein, dass ich nicht die ganze Höhe des Berges machen musste. Irgendwann nach einer gefühlten Ewigkeit hatte ich den „Pass“ erreicht. Ach was tat das gut, einfach mal runter fahren zu können. Ein kleiner Wermutstropfen blieb da. Zu Beginn der Reise hat mir ja jemand geholfen, dass meine Bremsscheiben vorne nicht mehr Laute von sich gibt, mit Öl. Ja, die Bremsen waren immer noch nicht zu 100% zu gebrauchen. So konnte ich nicht ganz so, wie ich es gerne gehabt hätte, nach unten „rasen“ musste immer genug früh bei Kurven bremsen.

Doch irgendwann bin ich gut unten angekommen und endlich kam die Rheinebene, so nannte ich das. Denn nur noch Flach, keine Berge mehr dazwischen. Danach lief die Fahrt ruhig, friedlich und heiss. Es waren wieder mal kühle 35° Grad Celsius.

Dann fuhr ich ein Teil dem Dortmund-Ems-Kanal entlang, bis kurz nach Münster. Als ich in Münster angekommen war, sah ich die gut ausgebauten Fahrrad Wege und die vielen Velofahrer. Echt tolles Gefühl. Und ich war nicht mal so langsam mit meinem Longtrailer.  Nach Münster wurde es wieder ruhig, ländlich. Irgendwann traf ich beim Campingplatz Kranencamp bei Senden ein. Musste nur kurz warten und danach wurde ich sehr Freundlich von dem Betreiber begrüsst. Nach dem Zahlen, zeigte er mir mein Platz, wo ich mein Zelt aufstellen konnte. Mein Fahrrad konnte ich gegen Regen unterstellen. Das tolle war, er hatte extra Ladestationen für E-Bikes. Na das brauch ich wohl nicht nutzen.

Später kam ich noch mit Norweger ins Gespräch. Wir unterhielten uns mit Englisch, wo mein Englisch gerade so ausreichte, um ein Gespräch zu führen, mit Ecken und Kanten. Dennoch war es gemütlich, herrlich. Später am Abend zog ich mich zurück in mein Zelt, sicherte meine Bilder und genoss den Abend…
 

Mi 31. Juli 2019
 

Es war noch früh am Morgen, welche Uhrzeit weiss ich nicht mehr. Leise machte ich Frühstück, genoss die stille Zeit vor meinem Zelt. Langsam erwachten die Leute. Wie immer alles zusammen packen und ich verabschiedete mich noch von den Leuten gestern. Die waren mittlerweile auch schon auf.

Als ich los fuhr, wusste ich gerade nicht so recht, wo ich hinfahren sollte. Mein Ziel war der Rhein. Also bei Onkel Google Maps nachsehen. Der Tag schien wieder schön zu werden, da brauchte ich nicht auf den Wetterbericht schauen. Nur ein paar kleinere Wolken am Himmel, ansonsten Sonnenschein. Wenn ich mich da mal nicht irre. Einige Zeit später um ca. 10 Uhr morgens kam ich wieder beim Dortmund-Ems-Kanal vorbei. Auf der Brücke genoss ich den Wind in den Haaren, das Rauschen der Blätter von den Bäumen. Ich hielt einige Minuten inne, schaute einem herannahenden Schiff zu. Ok, weiter geht’s.

Die Fahrt ging nach Lüdinghausen, Olfen. Als ich in Olfen ankam, kamen mir Erinnerungen hoch an Früher, später davon mehr. Dann fuhr ich weiter nach Datteln, Herne. Ich bemerkte, dass sich hinter mir langsam der Himmel zu zog. Es war ca. 13 Uhr und bewölkt. Dachte mir aber nichts dabei, sah schwach aus, mehr nicht. Richtung Herne begann es zu regnen. Ich konnte mich gerade noch so unter eine Brücke retten, Mist. Ok, etwas warten und dann ist es sicher wieder vorbei. So war es dann auch. Kurz vor Herne schien mittlerweile wieder die Sonne. Ich schaute zurück und traute meinen Augen nicht. Der Himmel war komplett schwarz und das Wetter verfolgte mich. Hoffentlich bleibt es so.

Also nicht rum trödeln, weiter fahren und hoffen, dass die schwarzen Wolken hinter mir bleiben. Als ich kurz vor Herne war, begann es schon wieder zu regnen. Keinen Unterstand. Not behelfsmässig rettete ich mich unter die Bäume, die mir etwas Schutz boten. Der Regen lies nach, doch dann begann es zu blitzen an und in der Ferne hörte ich das Grollen. Ich war mitten im Niergendwo, wusste nur, dass gleich Herne kommt. Jetzt wurde es mir mulmig, denn es waren einige Blitze. Dann fing es an, heftig zu schütten, konnte gerade so noch die Regenjacke anziehen. Für mehr war keine Zeit. Unmittelbar vor Herne, plötzlich vor mir ein Blitz Richtung Boden und ein Knall. Oh Gott, was für ein schreck, ich bekam es leicht mit der Angst und konnte mich zum Glück kurze Zeit beim Einkaufszentrum Lidl unter Dach retten.

Da angekommen, meine Schuhe waren voll Wasser und auch sonst war ich nicht gerade wirklich trocken. Ich erholte mich vom Schreck und nutzte sogleich die Zeit, um was einzukaufen. Danach wartete ich einige Zeit und siehe da, das Unwetter zog vorbei. Als ich wieder nach einer halben Stunde los fuhr, hatte es aufgehört zu regnen und schon bald darauf kam wieder die Sonne. Verrücktes Wetter.

Dann kam ich in Essen an, wieder bewölktes Wetter, aber es schien nicht, dass es regnen würde. In Essen kam ich mit einem älteren Paar ins Gespräch. Unter anderem erzählte ich, dass ich hier vor Jahren und eben auch in Olfen an einem Transgenderball (Traniball) als Fotografin mitgewirkt hatte. Dieser war irgendwann nicht mehr weiter geführt worden, worauf sie meinte, den gibt es wieder. Sehr interessant. Wir redeten noch eine Weile, dann verabschiedete ich mich. Für mich war klar, dass diese Zeit für mich vorbei ist. Meine Interessen hatten sich geändert.

Dann steuerte ich den ersten Campingplatz in Essen an, doch der schien mir wenig Vertrauenswürdig, fand auch nicht den Eingang. Also auf zum nächsten. Ich war übermüdet, etwas gereizt, weil ich nicht gleich die Abzweigung fand. Doch dann, endlich… Knaus Campingpark Essen-Werden. Gott sei Dank. Der Tag, das Wetter hat mir einiges abverlangt.

Ich meldete mich an und wurde freundlich begrüsst. Zelt aufbauen und dann duschen gehen. Was für ein herrliches Gefühl, frisch zum Zelt zu kommen. Meine Lebensgeister kehrten zurück. Ich kochte wie meist was und genoss den Platz, die Leute. Der Campingplatz lebt, so mochte ich es. Zufrieden schlief ich ein.
 

Do 1. August 2019
 

Donnerstag, 1. August 2019

Bin heute gut aufgestanden. Wie immer, alles zusammen packen, frühstücken und ab geht’s.  Heute am 1. August ist in der Schweiz ein National Feiertag, das emsig mit Feuerwerken gefeiert wird. Aber bei dieser Hitzewelle und Trockenheit wird es wohl wie letztes Jahr untersagt sein, Feuerwerke los zu lassen.

Als ich Richtung Ausgang fuhr, traf ich den Campingbetreiber. Wir unterhielten uns einen kurzen Moment und ich meinte, ich fahre nun Richtung Rhein. Da meinte er, auf der gegenüber liegenden Seite des Platzes gibt es ein kleines Tor, da durch und einfach der Ruhr entlang fahren, dann komme ich bei Duisburg raus. Wertvoller Tipp. Bedankte mich und machte mich sogleich auf die andere Seite zur Ruhr.

Es war wunderschön, den Fluss entlang zu fahren. Einfach Genuss pur. Auch das Wetter machte mit. Ein Teil musste man absteigen, doch die meiste Zeit konnte man der Ruhr entlang fahren. Es gab viel Natur zu sehen.  Kurz vor Duisburg verzettelte sich die Ruhr. Wo genau ich lang gefahren bin, weiss ich nicht mehr. In Duisburg angekommen, musste ich stark abbremsen, da plötzlich ein nicht sichtbares Schlagloch auftauchte, Glück gehabt. Was mich aber faszinierte. Ich kam an einer Baustelle vorbei, wo Brücken abgerissen werden sollten. So sah es aus. Ich fuhr unter jene Brücken hindurch, die so nieder waren, dass man sie fast berühren konnte.

Als ich dem Rhein zu Beginn meiner Reise hochfuhr, kam ich auch durch Duisburg durch. Die Stadt erschien mir laut und Schmutzig u.a. Mittlerweile weiss ich, dass ich damals durch das Industriegebiet gefahren bin, hatte auch noch nicht so viel Erfahrung mit Navigieren und fuhr zum Teil kreuz und quer durch die Stadt.
Als ich nun durch Duisburg fuhr, war ich auf einer anderen Route unterwegs und die Stadt erschien mir in Ordnung. Erst dachte ich aber, oh nein, nur schnell durch Duisburg durch. Ja so kann sich die Sichtweise ändern.

Ich kam dann an einem Park am Rhein vorbei, der komplett umgestaltet wurde, eine grüne Oase. Echt wunder schön. Unter einer Brücke blieb ich stehen und hörte dem vorbeirauschenden Güterzug zu. Ein Höllen Lärm, musste mir die Ohren zu halten.
Dann fuhr ich weiter und Richtung Ausgang von Duisburg traf ich auf der gegenüber liegenden Seite am Hügel auf das Kunstwerk Tiger & Turtle-Magic Mountain. Dies wurde nach einer Achterbahn nachempfunden und 2011 Eröffnet.

Eigentlich wollte ich da noch hoch, doch das Wetter zog sich zu und ich war mir nicht sicher, ob es halten würde. Nach Wetterbericht sollte es nicht regnen, aber ich war mir da nicht sicher. Und es war gerade mal kurz nach 12 Uhr und ich wollte noch einige Km weiter kommen. Also nahm ich meine Canon Spiegelreflex-Kamera, mein 300mm Tele und machte davon ein paar Fotos.

Dann hatte mich der Rhein wieder, triololoitüü. Freude herrscht. Es war schön, auf den Rhein zu blicken. Wasser hat es mir eh angetan, ob Fluss oder Meer. Langsam wurde es kühler und ich musste mir die Windjacke über ziehen. In Kaiserswerth angekommen, entschied ich mich einmal mehr, die Führe über den Rhein zu nehmen. Auf der anderen Seite angekommen, schaute ich nach einem Campingplatz, denn es hatte begonnen, Nieselregen einzusetzen. Da fand ich einen bei Meerbusch, Campingplatz Lörick am Rhein. Als ich da um ca. 16 Uhr eintraf, wurde ich nett begrüsst und nach dem Zahlen wurde mir der Platz erklärt und wo ich mein Zelt aufbauen konnte. Ich entschied mich direkt beim Zaun bei einem kleinen Baum. So konnte ich Kleider waschen und da aufhängen. Daneben war auch noch ein Tisch, wo man sich hinsetzen konnte. Ein einfacher, aber gepflegter Platz. Ich kam mit einem Mann nebenan ins Gespräch, der sehr interessant war. Er war Frührentner, so sagt man glaub in Deutschland. Bei uns wäre das IV, Invalidenversicherung bis zur Rente. Wir hatten lange Gespräche. Dann kamen nach und nach weitere Leute, die ihr Zelt aufbauten. So lernte ich auch Heinz und seine Schweizer Freundin kennen, mit dem ich immer noch in Kontakt bin, auch bei Facebook zu finden.
Später sass ich vor meinem Zelt mit meinem Netbook, machte Datensicherung meiner Bilder und Tagebuchführung. So ging auch der heutige Tag erfolgreich vorbei…
 

Fr 2. August 2019
 

Sitze hier vor dem Zelt und mache gerade weiter Datensicherung von  meinen Fotos-Filme. Habe heute noch einen Ruhetag angehängt, bevor es morgen weiter geht. Die tollen Gespräche des Nachbarn haben es mir angetan, so dass ich noch ein Tag auf dem Campingplatz angehängt habe. Ich fühle mich mit meinem AD(H)S verstanden und mit meinem Freiheitsdrang.

Mir schwirren viele Gedanken durch den Kopf, vom Auswandern, meiner Zukunft, was erwartet mich, wenn ich wieder in meiner Bleibe ankomme. Ich tu mich extrem schwer, nach „Hause“ zu kommen. Denn ich habe mich noch nie so frei gefühlt wie im Moment. Es könnte immer weiter so gehen. Aber ich darf nicht wie früher, alles verdrängen, mich in irgendwas flüchten. Ich geniesse den Moment, der mir bleibt und freu mich auch darauf, Nadine und Mona wieder zu sehen die vom Campingplatz in Plittensdorf/Raststatt.

Oft habe ich Mühe, meine Gedanken so sortieren/Kanalisieren. Ansonsten war der Tag mit ruhen, mit dem Nachbarn schwatzen und Kleider waschen vollbracht. Am Abend kam nochmals eine Welle von Menschen mit Zelten. Das hat mich sehr gefreut. Ich kam auch gleich darauf mit einem Mann uns seiner Schweizer Freundin ins Gespräch. Er heisst Heinz, ist hier auch auf Facebook und bin immer noch in Kontakt mit ihm. Auch mit ihm und seiner Freundin war ich am schnacken. Da er auch YouTube Videos macht, waren wir etwas am Fachsimpeln.

Ansonsten war der Tag ruhig, ausser eben, dass der Platz voller Zelte war. So habe ich das bis anhin auf meiner Reise noch nicht gesehen, war aber schön.
 

© by Bike Traveling