Meine grosse Reise 2019 /8
- Mein persönlicher Jakobsweg, 3'229.68 Km

Gesamtstrecke  333.28 Km

 

Woche 8
Von Lörik-Rheinauen  - Köln -
Koblenz D - Brey - Mainz - Mannheim

YouTube:
https://youtu.be/WiXi_gqTlkg

Sa 3. August 2019
 

Das Wetter war bewölkt, die Stimmung aber gut. Der Herr nebenan schlief noch. Heinz und seine Schweizer Freundin waren auch schon auf den Beinen, wie viele Zelter hier. Es war ein reges Treiben, einpacken und es wurde eifrig geschnackt. Ich sprach noch einige Takte mit Heinz und verabschiedeten mich von den Beiden, denn sie waren schon fertig mit einpacken. Ich machte dann erst mal Frühstück. Nach dem Essen stand auch der Nachbar auf, mit dem ich interessante Gespräche hatte. Als ich zusammen gepackt hatte, bedankte ich mich bei Ihm für die interessanten, tiefsinnigen Gespräche und verabschiedete mich auch von ihm.

Dann ging’s los Richtung Köln. Der Tag selbst war mehr oder weniger Bewölkt. Bei Düsseldorf selbst dachte ich, wäre toll der Band, die Toten Hosen zu begegnen. Als ich in Neuss ankam, war da gerade ein ellenlanger Flohmarkt. Ich schlenderte da durch, vielleicht gibt es was, was ich brauchen kann. Denn ich liebe Flohmärkte. Am Ende wurde es doch nichts, wo ich hätte Interessen daran gehabt.  Also ging es weiter dem Rhein entlang.

In Dormagen war da so ein Volksfest. Überzahl standen verschiedene Gruppen von Musiker mit ihren Trachten. Zum Teil speilten sie auch (leider sind mir Foto-Filmmaterial davon verloren gegangen, leider nicht die einzigen). In einer Bäckerei kaufte ich noch ein Schokodrink und belegte Brötchen, die ich gleich verzehrte. Langsam kam leicht die Sonne hinter den Wolken hervor und es wurde angenehm.

Und dann kam ich in Köln an. Schon von weitem hörte man eine Lautsprecherstimme, der was erzählte. Scheint ein grosser Anlass zu sein. Als ich in Köln ankam, verstand ich auch warum. Es war der Women’s Run Köln 2019. Mein Herz zersprang fast vor Freude. So schön. So viele Frauen in Pink unterwegs. Ich weiss nicht warum, aber das faszinierte mich so und ich fühlte mich wieder mal angekommen. Ich schaute noch eine Weile zu und schlängelte mich so gut es ging durch. Und dann kam ich noch an den 3 Krahnhäuser vorbei. Von weiten sieht das immer so aus, als sei es nur ein Winkelhaus. Den gläsernen Liftschacht hatte ich bis dahin ja nie wahrgenommen (erst bei der Hinfahrt Richtung Holland). Ich fand diese Bauten faszinierend. Überhaupt das verlassen von Küln in diese Richtung war wunderschön am Rhein entlang zu fahren.

Dann kam ich auf dem Campingplatz Bergen, ausserhalb von Köln an, der noch zu Köln gehörte. Es war noch nicht allzu späht, dennoch entschied ich mich wieder für den Platz.  So wiederholte sich eine weitere Erinnerung. Der Herr an der Rezeption erkannte mich gleich wieder und wurde freundlich empfangen. Dann wurde mir der Platz gezeigt und ich machte das übliche. Ich genoss einfach noch den restlichen Tag…
 

So 4. August 2019
 

Na wie immer nach dem Aufstehen das übliche gemacht. Als ich zusammen gepackt hatte und abfahrbereit war, fuhr ich zur Rezeption. Da gibt es auch ein kleinen Laden, wo ich mich mit Getränk und Lebensmittel eindeckte. Danach verliess ich den Campingplatz Köln entliess mich in die Unweiten von Deutschland.

Ich fuhr weiter dem Rhein entlang und genoss das sonnige Wetter. Wie immer, sehr warm. Kurz vor Bonn machte der ADFC (Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club) auf sich aufmerksam mit einem Stand. Dabei viel mein Longtrailer auf. So kam ich mit einem Beteiligten des Standes ins Gespräch. Ja warum nicht, schloss gleich eine Mitgliedschaft ab. Dann teilte er mir mit, dass die Rhein-Überfahrt kostenlos ist, da der ADFC die Kosten tragen. Warum nicht meinem Hobby frönen und wieder mal den Rhein überqueren. Gesagt, getan.

So radelte ich knapp an Bonn vorbei. Später, weiss der Teufel warum, fuhr ich mit der Rheinfähre wieder auf die andere Seite. Vielleicht wie mein ADHS, sprunghaft. Egal, für mich passte es. Diese Strecke dem Rhein entlang war ein wunderschöner Radweg. Irgendwann entdeckte ich oberhalb beim Abhang eine Seemanns-Figur. Die wollte ich unbedingt fotografieren. Eine Treppe führte da hoch. Oben angekommen, sassen unmittelbar in der Nähe 2 ältere Herren unter einer Pergola. Die sprachen mich sogleich an und ich wurde zu einem Getränk eingeladen. Dabei hatte ich immer das Fahrrad im Blick. Wir kamen ins Gespräch und die beiden „Jungs“ waren so süss. Das Gespräch war echt ein Erlebnis. Irgendwann meinte einer, er möchte gehen (nahm das nicht übel). Ok ich stand auf und ging Richtung Seemanns-Figur. Dann fing aber dieser besagte Mann an zu reden und reden, echt herrlich. Ich machte noch von ihnen ein gemeinsames Foto, dann verabschiedete ich mich entgültig. Was für eine herrliche Begegnung.

Später fuhr ich ins Mittel-Rheintal rein und kam ich an einem Rastplatz vorbei, den ich schon vor über einem Monat in der Gegenrichtung vorbei fuhr. Also gleich mal was Kochen. Es sind die Erinnerungen, die nun ständig hoch kommen…  Nach dem Essen ging es weiter. Irgendwann kam ich einer weiteren Erinnerung vorbei, bei Namedy. Als ich bei dem Rastplatz vorbei kam, kamen mir Erinnerungen an Miriam, die ich vor über einem Monat getroffen hatte, hoch. Ich überlegte mir, da wieder wild zu campieren. Doch 2 Gründe sprachen dagegen. Zum einen war es erst 15 Uhr und zum einen standen da Auto und Kastenwagen mit Leuten, die mir zu suspekt waren. Also machte ich einige Erinnerungsfotos und fuhr dann weiter.

Ich entschied mich für den Campingplatz Knaus Rhein/Mosel in Koblenz. Als ich da angekommen war, hatte ich kein Getränk mehr, aber es war alles im grünen Bereich. Dennoch war ich sehr durstig, so dass ich erst mal ein Getränk kaufte und mein Kehlchen runter fliesen liess. Danach meldete ich mich an und mir wurde freundlich den Platz gezeigt. Ich begann mein Zelt aufzubauen als 2 junge Mädels, die ihr Zelt nebenan hatten, zurückkamen. Wir sprachen etwas und ich fand das so schön, dass junge Frauen einfach unbeschwert unterwegs sind. Leichter Neid kam auf, so hätte ich auch gerne meine Jungend verbracht. Aber es war kein bösartiger Neid, eher, ich freute mich sehr für sie.

Und dann kam eine weitere Frau, die sich einfach frech zwischen die Jungen Frauen und mir das Zelt aufgestellt hatte, lacht. Sie sprach mich gleich an, stellte sich als Marion vor und ja, wir hatten lange Gespräche und verstanden uns sehr gut. Später meinte sie, sie musste mich ansprechen, ich sei wie ein bunter Vogel, der sich frei fühlt. Das hätte sie fasziniert. Und wie war mein Motto, alles soll ungezwungen sein. Wir sprachen noch bis ca 23 Uhr zusammen, am Schluss natürlich leiser, wir lachten, hatten ernste Themen, ja so eine Busenfreundin hätte ich schon immer gerne gehabt. Dann wünschten wir uns eine gute Nacht und verkrochen uns in unsere Zelte…
 

Mo 5. August 2019
 

Heute Morgen bin ich fast zeitgleich mit Marion aufgestanden, respektive aus dem Zelt gekrochen. Wir wünschen uns einen guten Morgen und packten gemeinsam unsere Zelte, Ausrüstung zusammen. Dabei witzelten wir wieder.
Nach einem gemeinsamen Selfi verabschiedeten wir uns herzlich. Mittlerweile hatte ich mich daran gewöhnt, dass man tolle Menschen triff und wieder auseinander geht, wo auch immer unsere Wege hinführen mögen.

Ich hatte etwas mühe, aus Koblenz raus zu kommen. Der Tag war bewölkt. Irgendwie schaffte ich es, weiter dem „Rhein“ entlang zu fahren. Aber irgendwie kam mir der „Rhein hier etwas schmaler vor, wusste nicht warum. Ich unterquerte eine Auto-Hochbrücke. Die kam mir völlig unbekannt vor, hätte ich doch beim Rhein runter fahren bemerken müssen. Na gut, ist ja auch schon eine Weile her. Schiffe hatte es ja auf dem Fluss. So radelte ich fleissig weiter. Ich entdeckte auf der anderen Flussseite auch 2 Radfahrer, die einen Camping-Fahrrad- Wohnwagen hinter sich her zogen. Fand ich echt toll. Wäre gerne auf der anderen Seite gewesen und hätte die Wohnwagen mir angesehen.

So radelte ich munter weiter und war erstaunt, was ich beim „Rhein“ runter fahren alles nicht bemerkt, gesehen hatte. Es wurde schon Nachmittag, als ich ein Schild sah… Mosel-Radweg. Erschrocken sah ich auf das Navi, das meine Route aufzeichnete. Ich hatte schon 40 Km geradelt. Ich ärgerte mich über mich, nicht dass ich falsch gefahren war, sondern, dass ich immer wieder mal schusselig war. Ausserdem war ich schon mal bei der Runterfahrt falsch in die Mosel abgebogen, 10 Km. Die Mosel hat es auf mich abgesehen.  Bringt nichts, also alles wieder zurück. Ich wollte aber nicht auf der gleichen Seite wieder zurück fahren. So fuhr ich über eine Brücke und auf der anderen Seite wieder runter.
Zuvor war ich mir am überlegen, wie ich das abkürzen konnte, aber es half nichts. Ich beruhigte mich schnell wieder und genoss nun halt die andere Seite der Mosel. Es gab dann aber ein Teilstück, wo der Radweg plötzlich so schmal wurde, dass es schon fast kriminell war, darauf zu fahren. Denn die Autos kamen mir ziemlich nahe als Gegenverkehr vorbei. Ich war echt froh, als ich wieder eine richtige Fahrradstrasse unter meinen Rädern hatte.

Als ich wieder in Koblenz ankam, wollte ich doch wenigstens ein bissen voran gekommen sein und fuhr so noch 20 Km dem Rhein hoch, dieses mal richtig. In Brey fand ich erschöpft dann einen Campingplatz.

Der Platz schien mir familiär, ruhig, aber schön. Auch die sanitäre Anlage war sauber. Als ich das Zelt aufgebaut hatte und daran war, was zu kochen, kam ich noch mit einem Schweizer Paar ins Gespräch, was ich angenehm fand. Später, nach dem Kochen kamen die Wohnwagen Nachbarn und auch mit denen kam ich ein wenig ins Gespräch, sassen etwas zusammen.  Danach genoss ich noch den Abend und den Blick auf den Rhein, bis ich mich ins Zelt verkroch…
 

Di 6. August 2019
 

Als ich am Morgen um ca. 6 Uhr aufgewacht bin, war es noch sehr ruhig. Ich ging zur Toilette, um mich frisch zu machen. Es war noch niemand unterwegs. Das Wetter war bewölkt. Ja es geht langsam Richtung Herbst. Die Tage waren nicht mehr so heiss und auch heute scheint das Wetter durchzogen zu sein. Ich bin nicht jemand, wo ständig das Wetter abruft, ich lass es meist auf mich zu kommen.

Nachdem ich alles zusammen gepackt hatte, verabschiedete ich mich bei Campingplatz mit einem Winken. Ich war ja unmittelbar am Rhein und konnte so gleich wieder auf den Radweg weiter Richtung Süden fahren. Doch kurzes Arm-Trikot war nicht angesagt. Es war mässig kühl und bewölkt. Hoffentlich hält das Wetter. Auf Regen war ich nicht so scharf darauf.

Um halb 11 Uhr kam ich am Rhein an einem Stuhl am Strand vorbei. Dieser faszinierte mich. Es war, als wäre hier die Zeit stehen geblieben. Ich kletterte an den Strand runter und machte einige Aufnahmen davon. Dabei wurde ich leicht melancholisch. Ja vieles kam mir bei der Rückreise bekannt vor. Und doch sah ich immer wieder was neues. Ich liebte und liebe das Mittel-Rheintal. Kurz nach Mittag kam ich an dieser zerstörten Brücke vorbei. Es war die Hindenburg-Brücke bei Bingen. Viel ist nicht mehr übrig geblieben. Und dennoch ragen die übrig gebliebenen Reste mächtig empor, wenn man vor ihr steht. Irgendwie ehrfürchtig.

Nun führte mich der Weg in die abgeschiedenheit, Wildnis.. Ich mag das, so abgeschieden zu fahren, nicht immer, aber immer wieder mal. Die Reise führte mich auch an dem Spielplatz vorbei, mit den beiden Liegen, wo sich in der 1. Woche Miriam und ich darauf gelegt haben, um eine Pause zu machen. Ja es kommt mir wie eine Ewigkeit vor. Was sie wohl gerade so macht? Eine wunderschöne Erinnerung, die ich behütet in mir trage. Schade, dass ich kein Foto mit uns zusammen gemacht habe. Aber es ist eben so.

Dann nahte das Ende vom Mittel-Rheintal. Mächtig wachte bei Rüdesheim am Rhein das Niederwalddenkmal, das von 1871 – 1883 entstand. Da hoch zu gehen hatte ich aber nicht so Lust, auch wegen dem Wetter. Bis anhin war es immer trocken, was für mich gut war. So fuhr ich weiter, oft in meinen Gedanken versunken. Einmal kam ich aus meinen Gedanken heraus und mir fehlten 2-3 Km, wo ich einfach nicht wahrgenommen habe.

Dann näherte ich mich Mainz. Ich nahm mein Handy zur Hand und schaute nach einem Campingplatz. Google zeigte mir einen Campingplatz in Maaraue an. Die Bewertungen waren nicht schlecht. Einer davon, relativ frisch geschrieben besagte aber, dass der Besitzer arrogant und frech sei. Nunja, finden wir es heraus.

Als ich da ankam, wurde ich mit Spässchen nett begrüsst. Ich hatte zu wenig Geld für eine Duschmarke dabei, die schenkte er mir einfach. Ja, die Wahrnehmungen der Menschen sind eben unterschiedlich. Von arrogant oder frech jedenfalls konnte ich nichts erkennen. Er zeigte mir freundlich, wo die Duschräume waren und wo ich das Zelt aufbauen konnte. Das Wetter zog sich zu und ich machte einen Fehler, den ich zum Glück nicht bereuen musste. Ich achtete immer, dass ich entweder an einem Zaun das Zelt aufschlug, so dass ich einen natürlichen Windschutz hatte oder nicht unter einem Baum. Und genau dies tat ich. Die Gefahr ist es, dass bei starken Wind Äste runter fallen können und in dem Fall genau auf mein Zelt. Ich war aber zu müde, um darauf zu achten. Also ging ich duschen und kochte was. Kaum fertig gegessen, Geschirr abgewaschen, kam ein Gewitter auf, wobei es zum Glück nicht zu nahe kam. Aber es regnete heftig. Ich konnte gerade so noch alles verstauen und mich ins Zelt flüchten. Der Regenguss war kurz und heftig. Und es kamen zum Glück keine Äste runter, wobei ich diesen Moment auch gar nicht daran gedacht hatte. Also vertrieb ich mir die restliche Zeit im Zelt. Immer wieder fing es an, leicht zu regnen. Das leise Trommeln der Tropfen auf das Zelt hörte sich aber für mich wie sanfte Musik an und damit schlief ich auch ein…
 

Mi 7. August 2019
 

Bin mit Regen aufgewacht. Es scheint nicht gerade ein trockener Tag zu werden. Ich schaute mal wieder auf die Wetterdaten. Immer wieder Regen wird vorher gesagt. Irgendwie wollte ich nicht aus dem Zelt, da es gerade wieder angefangen hatte zu regnen. Bringt nichts, also raus. Nicht schön, bei Regen das Zelt zusammen zu packen. Erst habe ich im Zelt alles zusammen gepackt, danach das Innenzelt abgebaut, so dass ich das im trockenen verstauen konnte. Dann der Moment, wo ich mich sooo darauf freue bei Regen, das Aussenzelt zusammen packen, ironisch gemeint. Dieses hatte ich in ein dafür vorgesehen Sack verstaut, so dass das andere Material nicht nass wird.

Kaum war ich fertig, hörte der Regen auf. Ist das dein ernst, dachte ich. Beim losfahren, hatte es aber schon wieder leicht angefangen zu regnen. Es gibt ja angeblich kein schlechtes Wetter, nur schlechte Bekleidung und so zog ich mich Regentauglich an. Dann fuhr ich los, nachdem ich mich verabschiedet hatte. Mal regnete es, mal nicht, viel gab es zu Beginn nicht zu sehen, zumindest war mir so. Das Wetter hatte dabei grossen Einfluss, meine Stimmung war entsprechend und ich radelte einfach so vor mich hin.

Bei Worms sah ich dann das Schiff und diese Seemine. Schon eindrücklich, dieses runde Ding, das für Zerstörung sorgte. Dann sah ich dieses alte Fabrikgebäude und dachte für mich, hier könnte man gute Fotoshootings machen. Dabei traf ich einen anderen Schweizer, der sich auch etwas für dieses alte Gemäuer zu interessieren schien. Wir redeten ein paar Takte, wobei er meinte, er fahre Richtung Norden. Ja da komme ich gerade her. Dann wünschten wir uns eine gute weiterfahrt.

Nach Worms fuhr ich an der Stelle vorbei, wo ich vor über einem Monat mit Miriam die erste Nacht wild campierte. Damals war die Wiese ausgetrocknet, nun war sie saftig grün. Kein Wunder bei dem Regen. In dem Moment hatte das Wetter etwas erbarmen und es regnete nicht. Bei Bobenheim-Roxheim erreichte ich den Laden, wo das Schicksal seinen Lauf nahm. Ich war damals mit Miriam in dem Laden einkaufen und legte die teure Sonnenbrille hinten auf das Gepäck, wodurch ich nach dem Einkauf mit ihr nicht daran dachte, dass sie hinten noch auf dem Gepäck lag. Ohne sie aufzusetzen setzteen wir unsere Reise fort. Dabei machte sich meine Sonnenbrille selbstständig und weg war sie. Irgendwie fehlte mir was auf der nase und bemerkte später, dass ich sie gar nicht aufgesetzt hatte. Ich musste schmunzeln. Irgendwie waren die Erinnerungen schön an damals, vor über einem Monat.

Nach dem Dorf tat mir der Hinter so weh, dass ich ca. 1 Km mein Fahrrad und Anhänger schob. So konnte sich mein Hinter erholen. Ja mein Hinter meinte wohl zu mir, dass ich die letzten Tage einige Km ohne Unterbruch gemacht habe. Aber dann stieg ich wieder auf mein Radl. Es kam der grosse Moment des Wiedersehens in Mannheim. Beim Campingplatz wurde ich voller Begeisterung von Harry, Chriss und Tochter begrüsst. Erst plauderten wir eine Weile, bevor ich mein Zelt aufgebaut hatte. Dann bekam ich einen Kaffee und für das Abendessen hatte Harry noch Würstchen mit Sauerkraut und Brot über. Dankend nahm ich diese gerne an. Es war einfach herrlich, sie wieder zu sehen. Und so genoss ich mit ihnen den Abend, bis ich mich ins Zelt verkroch. Im Zelt dachte ich über meine lange Reise nach. Ja sie hat mich verändert, im positiven. Wie genau, das konnte ich nicht sagen, aber ich spürte die Veränderungen. Mit diesen Gedanken schlief ich ein.
 

Do 8. August 2019
 

Hatte eine ruhige Nacht verbracht. Dann dachte ich so, ach hängst noch einen Tag hier auf dem Campingplatz Strandbad an. Weisst ja nicht, wann du sie wieder siehst. Jedenfalls dachte ich, es wird ein Tag zum Rumhängen. Es war echt schön, hier auf dem Platz und mit Harry, Chris und ihrer Tochter verstand ich mich sehr gut. Ich habe sie ins Herz geschlossen.

Der Tag war wunderschön und ich genoss ihn. So liess ich meine Seele baumeln und dachte über vieles nach. Ja bald ist meine Reise zu ende. Lange würde es nicht mehr dauern, bis ich in der Schweiz zurück sein werde. Ein wenig Wehmut kam auf. Daneben kamen mir so Gedanken, auswandern oder nicht. Ich tat mich mit dem Gedanken sehr schwer. Ich liebe den Norden, von daher kein Problem. Aber mir ist auch Sicherheit wichtig, eine Arbeit endlich zu finden… Ausserdem ist meine Familie in der Schweiz, die ich sehr liebe. Ich weiss es nicht. Meine Gedanken sind irgendwie vernebelt, ein klarer Gedanke in dieser Hinsicht zu fassen, fällt mir scher. Daher schob ich diese Gedanken beiseite. Diese Reise, mein persönlicher Jakobsweg, wie ich nenne, beinhaltet so vieles, was ich erlebt habe. Ich fühlte mich frei, konnte lachen, liebe Menschen treffen, hatte Schmerzen, war dehydriert und vieles mehr, was mich begleitet hatte. Echt eine tolle Erfahrung, die ich gemacht hatte. Und sie war noch nicht ganz zu ende.

Daneben habe ich versucht, aus einem kaputten Zelt von einer Camperin ein Vorzelt für mein Zelt zu basteln. Bin kläglich gescheitert. Habe es mit Humor genommen. Am späteren Nachmittag meinte die Tochter von Chris und Harry, schade das ich Morgen schon gehe. Ich meinte halbernst, dass ich aufs Geld achten müsse. Da meinte Harry, ich könnte eine Kleinigkeit hier Arbeit verrichten, dafür brauche ich nicht die Gebühren vom Zeltplatz zu bezahlen. Guter Vorschlag, den ich spontan und gerne annahm. Also dann bis Sonntag.
 

Fr 9. August 2019
 

Am Morgen war das Wetter noch gut. Doch im laufe des Tages zogen immer mehr Wolken auf. In diesen Tagen hier hatte ich bis anhin nicht viel fotografiert oder gefilmt. Ich lies einfach meine Seele baumeln. Mit Harry hatte ich ein Tag zuvor abgemacht, dass ich einen Teil des Rasens mähen würde. Dies setzte ich nun in die Tat um und machte mich ans Werk. Später hatte ich den leicht zu gewucherte Strassenrand frei gemacht, auch die Gitter, wo das Wasser ablaufen konnte. Teilweise waren die nicht mehr sichtbar, so verstopft und zugewuchert waren diese. Auch den Kanal innen hatte ich gereinigt Harry war erstaund ab meiner schweizer Gründlichkeit, :-) und auch sehr zufrieden.
Der nachmittag war ja zum Glück noch trocken und heiss. Es kamen auch neue Leute auf den kleinen Zeltplatz, andere gingen wieder. Ja eben ein kommen und gehen. Unter anderem meldete sich eine junge Frau aus Italien an. Sie war auch mit mit dem Fahrrad und baute ihr Zelt auf dem Platz nebenmir auf. Sie hatte eine Ausbildung oder Praktikum im Norden absolviert und war nun zurück nach Italien unterwegs. Sie stellte sich vor mit Federika. Wir verstanden uns gut und unterhielten und mit etwas Deutsch und Englisch, den Rest mit Hand und Fuss.
Am Abend war das Wetter speziell. Auf der einen Seite herrlicher Sonnenschein, hier Regen und auf der anderen Seite schwarze Wolken. Als das Wetter weiter zog, erschien ein wunderschöner Doppel Regenbogen. So schön. Den Rest des Tages verbrachte ich vor und im Zelt.

 

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