Rhein - Mittelland-Tour Mai 2021

2-Tages Tour

Gesamtstrecke  72.15 Km

 

1. Tag,
Bülach - Rhein entlang bis Koblenz - Aare bis Mündung Reuss - Reuss entlang - Küten-Sulz

Unbenannt-1.png

Der Tag begann etwas harzig, tat mich schwer, in die Gänge zu kommen und den Rest in die Tasten zu verstauen. Hab mich entschlossen, die grosse Kamera zu Hause zu lassen. War mir einfach zu viel Gewicht. Es war noch etwas frisch und bewölkt. Daher zweifelte ich anfangs noch am Wetter. Und dann fuhr ich los. Am Anfang etwas schwerfällig. Ja ich habe zugenommen, grumpf und meine Kondition lies zu wünschen übrig. Nach einigen Meter kam dann wieder richtig Lust auf das Radfahren. Mit der Zeit kam die Routine wieder zurück.

 

Ich bekam Hunger, obschon ich Fett zugelegt hatte. Schließlich zehren viele Tiere auch vom Fett im Winterschlaf. Ok, das funktioniert so nicht zum abnehmen. Also Sport und noch etwas gegen den Hunger. So ein Blödsinn ging mir durch den Kopf während dem Radeln, natürlich mit einem Schmunzeln im Gesicht. Gegen Mittagszeit folgte ich einem Radweg Schild. Irgendwann muss ich mich wohl vertan haben. Ich stand an einer Gabelung. Entweder Rechts entlang oder links dem Rhein entlang. Ach was, am Wasser entlang zu fahren ist einfach schöner und der Weg scheint passabel zu sein. Ja, manchmal merkt man im Leben, dass die Entscheidung nicht die optimalste war. So auch bei mir. Nun stand ich an einer Treppe. Mit etwas "das stinkt mir" nahm ich meine Taschen vom Rad, Fahrrad hoch tragen, wieder runter, Taschen hoch tragen, Fahrrad beladen und es konnte weiter gehen. Ja in dem Fall, Sport ist Mord... hat was, lacht. Dann kam ich im Wald einer Fahrrad Beschilderung, so schön, ich war wieder auf dem richtigen Dampfer- äääm, Weg.

Am Mittag rief ich den Campingplatz an, den ich ausgesucht hatte; kein Platz mehr. Dennoch nahm ich's locker, aus Erfahrung. Denn ich wusste, was ich tun werde und fuhr weiter. Aus Erfahrung wusste ich, wenn man beim Campingplatz vor Ort ist, bekommt man trotzdem meist ein Platz zugewiesen.

Am Nachmittag wurde es angenehm warm und ich hatte das Bedürfnis, die Windjacke auszuziehen. Darunter war ich verschwitzt. Die Sonne wird's schon trocknen. Mein Popöchen machte gut mit.

Mein Cockpit hat sich echt bewährt. Damit meine ich die Navi und Handyhalterung. Es war und ist sehr einfach zu bedienen und gut überschaubar. Den Campingplatz Camping-Sulz erreichte ich um ca. 16.30 Uhr. Eigentlich noch etwas zu früh. Der nächste Campingplatz wäre 10 Km weiter und ob ich da einen Platz bekomme, weiss ich nicht. Es war ja auch Wochenende. Danach kam erst wieder am Zugersee ein Campingplatz, der mir aber eh zu teuer war. Also fragte ich bei der Rezeption nach, bei dem ich ja zuvor am Mittag schon angerufen hatte. Natürlich verschwieg ich das Telefonat. Und prompt wurde ich freundlich begrüsst und bekam einen Platz zugewiesen. Ich baute mein Zelt auf und genoss dann den späteren Nachmittag, Abend. Kochen wollte ich nicht, war mir zu heiss noch. als ass ich Käseweihe, Müsliriegel und ein kühles Cola Zero.
 

Gesamtstrecke  79.23 Km

 

2. Tag,
Künten-Sulz - Luzern - Meggen - Küssnacht - Seezunge am Zugersee

Der Morgen habe ich gut gestartet. Raus aus dem Zelt und die Sonne genesen. Kaffee zubereiten und Sonnenenergie tanken. Obschon ein mittelmäßiger Wind ging, war das Wasser aufkochen dank Windschutz kein Problem.

Nach dem Frühstück Wetter studieren… OK Gegenwind ist angesagt und das in meine Fahrtrichtung nach Luzern. Danach begann ich gemächlich meine 7 Dinge oder mehr zusammen zu packen und das Zelt abzubauen. Die Herausforderung war, mit dem Wind das Zelt zusammen zu packen, doch mit etwas Geschick vollbrachte ich auch das. Als ich fertig war, verabschiedete ich mich noch von den Camping-Besitzer und fuhr los Richtung Luzern, dem Wind entgegen. Erst musste ich ein kleines Stück nach oben schieben. Da wurde ich von einem älteren Ehepaar gefragt, ob mein Akku leer war. Nein, ich habe kein Motor. Etwas erstaunt sahen sie mich an, aber nicht unfreundlich. Ich musste lachen. Ja es gibt noch Menschen wie ich, die sich das antun, Fahrrad fahren ohne Motor.

Nach einigen Km kam dann die Enttäuschung. Ich war auf Gegenwind eingerichtet, doch ich hatte meist Rückenwind. So ein Mist…

Dank Rückenwinde, manchmal auch Kehrwinde, kam ich gut voran. Irgendwann verlor ich den Radweg, was dann eine Herausforderung wurde, der Reuss entlangzufahren. Der Weg wurde immer enger. Und dann. Ich fand den Radweg wieder, der führte von der Bahnstrecke ab… und führte steil empor. Na, die Person, die den Radweg entworfen hatte, wusste auch, was er/sie getan hatten, grins. Also hochschieben mit einigen Stopps einlegen. Hätte man mir ein Windrad vor den Mund gehalten, ich hätte wohl das halbe Dorf mit Strom versorgt.

Endlich, oben angekommen, war der Radweg sehr schön zu fahren, auch meist mit Rückenwind. In Luzern angekommen, besuchte ich die Bäckerei, wo ich vor 30 Jahren ein Zimmer hatte. Diese Bäckerei gab es nicht mehr, aber Erinnerungen kamen hoch. Hier in Luzern begann ich auch meine „Kariere“ als Fahrrad-Kurier (damals noch männlich).

Und dann kam das böse Erwachen. Mein Weg führte mich über Meggen Richtung Zugersee. Es war um ca 14.30 Uhr. Ich hatte Gegenwind, nach Meggen hoch musste ich zudem mein bepacktes Fahrrad schieben, voll in der Sonne. Irgendwas war da noch, was ich vergessen habe….

Dann führte die Strasse runter, doch mit dem Gegenwind war treten angesagt. Dann wieder hoch, runter, hoch runter, sehr abwechslungsreich und immer an der Hauptstrasse entlang. Vom Vierwaldstättersee wenig zusehen. Das war schon besetzt mit Villen.

Kurz gesagt, meine Energie und auch meine Laune verschlechterte sich. Dann kam ich an den Zugersee, wo ich den Tipp verfolgte, um an den Punkt zu gelangen, zum Campieren. Aber erst wieder mal Fahrrad den Berg hochschieben, nicht dass ich mich an etwas anderes gewöhne. Durch den Wald war der Weg mit Wurzelwerk gespickt. Ich kam nicht an den Punkt an, wo mir angegeben wurde, aber an ein Ort, wo eine Lichtung war, denn der Wind blies immer noch stark und ich wollte keinem Witwenmacher begegnen.

Ich war mit den Kräften am Ende, dachte ich…. Jetzt viel es mir auf, ich hatte vergessen, mich mit Sonnencreme einzucremen. War etwas rot an den Beinen. Nun machte ich mich ans Kochen, aber durch die Müdigkeit stiess ich noch die Pfanne mit dem Gemüse um, war halb so schlimm. Noch Wasser im Zugersee holen, mit der Filterpumpe. Das Essen war köstlich.

Nach dem Essen begegnete ich dem Förster oder Aufsichtsperson, die mich nicht wild campieren liess mit dem Schlafsack. Ich musste gehen. Also alles zusammenpacken und zurück, Berg hochschieben, auf der anderen Seite runter, auf dem Handy schauen, was es noch für Möglichkeiten gab. Dabei schnellte mir der Lenker ans linke Schienbein, Fahrrad rollte zurück, Metalpedale ans Fußgelenk geknallt, au, das tat weh. Ich war fix und fertig. Blut etwas abwischen und los geht’s, weitersuchen. Beim Aufsteigen rutschte ich von der Pedale, Fuss aufgekratzt. Mit letzter Kraft am Zugersee entlang fahren, wenn man das so sagen kann, denn sehen konnte ich ihn nur von der Ferne und wieder starken Gegenwind. Irgendwann war ich so fertig, dass ich mich entschloss, die Radtour abzubrechen. Ich fuhr Richtung Zug an den Bahnhof, Ticket lösen und zurück nach Hause. Unterwegs dachte ich über die Tour nach und ich war dennoch Happy, was ich geschaft habe. Ich möchte die Tour trotzdem nicht missen, denn es war ein Abenteurer am Schluss, grins.
 

© by Bike Traveling